Alkohol ist in den Vereinigten Staaten für deutlich mehr Todesfälle verantwortlich als Heroin, Kokain oder Methamphetamin zusammen. Dennoch wird er in öffentlichen Debatten über Substanzmissbrauch kaum als akute Gesundheitsgefahr thematisiert. Während die USA seit Jahren über die Opioidkrise und die Gefahren synthetischer Drogen diskutieren, bleibt die gesellschaftliche Wahrnehmung von Alkohol als relativ harmlos bestehen.

Eine aktuelle Recherche des Fachmagazins STAT, durchgeführt von den Journalisten Isabella Cueto und Lev Facher, deckt diese Diskrepanz auf. In ihrer mehrmonatigen Untersuchung analysieren sie, warum eine der gefährlichsten legalen Substanzen so wenig Aufmerksamkeit als public health emergency erhält. Das Ergebnis dieser Arbeit ist die neue Serie „The Deadliest Drug“, die am vergangenen Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Autoren zeigen auf, wie Alkohol trotz seiner nachweislich tödlichen Auswirkungen – jährlich sterben in den USA rund 140.000 Menschen direkt oder indirekt an den Folgen – systematisch aus der öffentlichen Gesundheitsdebatte ausgeklammert wird. Im Gegensatz zu illegalen Drogen unterliegt Alkohol keiner vergleichbaren Stigmatisierung, obwohl seine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten enorm sind.

Experten wie die Suchtforscherin Dr. Sarah Wakeman vom Massachusetts General Hospital betonen, dass Alkohol als „normalisiert“ gilt – ein Umstand, der Präventionsmaßnahmen erschwert. „Wir haben eine Kultur, in der Alkohol mit Geselligkeit, Entspannung und sogar beruflichen Erfolg assoziiert wird“, erklärt Wakeman. „Diese Normalisierung führt dazu, dass die Gefahren oft unterschätzt werden.“

Die STAT-Serie untersucht unter anderem, wie die Alkoholindustrie gezielt Einfluss auf politische Entscheidungen nimmt und warum Aufklärungskampagnen häufig weniger sichtbar sind als bei anderen Suchtmitteln. Die Autoren fragen auch nach Lösungsansätzen: Sollte Alkohol ähnlich streng reguliert werden wie Tabak? Oder sind gesellschaftliche Veränderungen notwendig, um das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen?

Die erste Folge der Serie ist bereits online verfügbar und bietet einen tiefen Einblick in eines der drängendsten, aber am wenigsten beachteten Gesundheitsprobleme der USA.

Quelle: STAT News