Vor einigen Jahren betrat ich das historische McCormick-Anwesen am Michigan Avenue in Chicago – damals noch als steifer Lawry’s Steakhouse mit kühlem Ambiente, weißen Tischdecken und einem einzigen ansehnlichen Treppenhaus. Heute präsentiert sich das Gebäude als Hand The Eye, das mit 35.000 Quadratmetern größte Magie-Erlebnis der Welt.
Eine 50-Millionen-Dollar-Transformation
Hinter dem Projekt steht Glen Tullman, ein in Chicago ansässiger Risikokapitalgeber und leidenschaftlicher Magie-Fan. Gemeinsam mit den Designfirmen Rockwell Group und Pentagram verwandelte er das ehemalige Wohnhaus in ein multimediales Magie-Erlebnis. Die Investition von 50 Millionen Dollar zielt darauf ab, ein nachhaltiges Konzept zu schaffen – nicht auf kurzfristige Profitmaximierung.
„Wir haben dies als 100-Jahre-Projekt konzipiert – von jedem Detail an. Es geht um die Künstler und die Gäste, nicht um maximale Gewinne. Manchmal führt genau das zu außergewöhnlichen Ergebnissen.“
Was Besucher erwartet
Für 225 US-Dollar erhalten Gäste Zugang zu einem dreistündigen Erlebnis ohne Kameras. Im Preis sind 75 US-Dollar Guthaben für Speisen und Getränke enthalten. Die Tour führt durch intime Räume und große Theater, in denen Magie in jeder Ecke auf sie wartet. Das Ambiente selbst ist Teil der Show:
- Eine Mischung aus antiken und maßgefertigten Möbeln
- Reiche Wandverkleidungen, Marmortheken und Messingplaketten
- Eine museale Sammlung mit Exponaten wie einer der berühmten Milchkannen von Harry Houdini
- Keine zwei Räume gleichen sich – inspiriert von der Goldenen Ära der Magie (1870–1930)
Das Hand The Eye ist mehr als ein Veranstaltungsort: Es ist ein Theater, Club, Schule und Netzwerk für Magie-Enthusiasten. Die Atmosphäre soll Besucher in eine andere Zeit versetzen – ohne Fenster wirkt das Innere wie eine permanente Abendstimmung.
Magie als Hommage an Chicago
Das Konzept ehrt die klassische Chicagoer Magie-Tradition: Nahaufnahmen, verblüffende Kartentricks und spontane Vorführungen in Bars. Die Architektur vermeidet dabei jeden Kitsch – stattdessen setzt sie auf Authentizität. „Hier geht es nicht um Escape Rooms oder Disneyland-Ritte“, betont Tullman. „Es ist ein Ort, der Magie in ihrer reinsten Form feiert.“
Mit dem Hand The Eye entsteht in Chicago ein einzigartiges Zentrum, das Magie als Kunstform und kulturelles Erbe bewahrt – und gleichzeitig für die Zukunft neu definiert.