Menschen, die unter chronischem Juckreiz leiden – etwa durch Neurodermitis (atopische Dermatitis) – haben ein siebenfach erhöhtes Risiko, eine schwere depressive Störung zu entwickeln. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt, doch die genauen Ursachen bleiben unklar.

Liegt es an der Entzündung, den Schlafstörungen oder dem psychischen Leidensdruck durch die chronische Erkrankung? Oder verändert die Neurodermitis selbst das Gehirn?

In einem aktuellen Meinungsbeitrag im Fachmagazin JAMA Psychiatry vertritt Santosh Mishra, außerordentlicher Professor für molekulare Biomedizin an der North Carolina State University, eine neue These: Die anhaltenden Juckreiz-Signale aus der Haut könnten nicht nur Entzündungen und Stress auslösen, sondern auch neuroplastische Veränderungen in den sensorischen, emotionalen und kognitiven Schaltkreisen des Gehirns bewirken. Diese Veränderungen könnten langfristig depressive Symptome begünstigen.

Mishra erklärt: »Chronischer Juckreiz ist mehr als nur ein unangenehmes Symptom. Er könnte das Gehirn so umprogrammieren, dass es anfälliger für Depressionen wird.«