Die Vorwahlen der Demokratischen Partei für die Midterms 2026 laufen bereits auf Hochtouren. Während fünf Bundesstaaten ihre Abstimmungen bereits hinter sich haben, stehen die restlichen in den kommenden Monaten an. Besonders spannend wird es in neun umkämpften Kongress- und Senatsdistrikten, in denen Kandidaten um die Gunst der Wähler buhlen – und hoffen, im Herbst die Mehrheit im Kongress zurückzuerobern.
Die neun wichtigsten demokratischen Vorwahlen
Die parteiinternen Auseinandersetzungen reichen von ideologischen Grabenkämpfen über Generationenkonflikte bis hin zu langjährigen Fehden. Hier die neun spannendsten Rennen:
1. Indiana: 5. Kongressdistrikt (5. Mai)
In einem stark republikanisch geprägten Distrikt (acht Punkte GOP-Vorteil) kämpft eine ungewöhnliche Kandidatenriege um die Chance, die amtierende Abgeordnete Victoria Spartz zu besiegen. Die Vorabstimmungen deuten auf eine hohe demokratische Mobilisierung hin.
J.D. Ford, der erste offen schwule Senator Indianas, hat seinen Sitz aufgegeben, um Spartz herauszufordern. Sein Fokus liegt auf bezahlbarem Wohnraum und lokaler Bekanntheit. „Man wird mir sagen, dieser Distrikt sei nicht zu gewinnen“, so Ford. „Meine Antwort: Seht her.“
Jackson Franklin, 26 Jahre alt, wäre bei einem Sieg der jüngste Kongressabgeordnete. Der Sanitäter der Nationalgarde, der 2023 im Kosovo stationiert war, will sich für Veteranen einsetzen, die aus Kostengründen auf medizinische Versorgung verzichten. Franklin lehnt Spenden von Unternehmen ab und setzt auf eine klare Anti-Lobby-Politik – inspiriert von Bernie Sanders.
Dylan McKenna, ein Technologieverkäufer, hat bereits überraschend hohe Spenden eingesammelt. Sein Antrieb: die Ermordung von George Floyd in Minneapolis. „Ich bin ein langweiliger Vater, der das Richtige tun will“, sagt er über sich. Dazu gesellt sich Steve Avit, ein Chiropraktiker, der auf Facebook mit Videos für Arbeiterfamilien wirbt, und Phil Goss, der neben seinem Hof in Polen auch eine Bar in Indiana betreibt.
2. Nebraska: Senatsvorwahl (12. Mai)
Hier steht ein ungewöhnlicher Fall im Raum: Ein republikanischer „Trojaner“ könnte gegen einen echten Demokraten antreten – und diesem sogar den Sieg ermöglichen.
Vor zwei Jahren verfehlte der unabhängige Kandidat Dan Osborn nur knapp den Einzug in den Senat gegen die Republikanerin Deb Fischer. Osborn, ein progressiver, waffenfreundlicher Handwerker, trat damals als Unabhängiger an. 2026 versucht er es erneut – diesmal gegen den anderen republikanischen Senator des Bundesstaates. Die Demokraten sehen in ihm eine Chance, da er konservative Wähler anzieht. Ob er jedoch als „Republikaner in Verkleidung“ agiert oder tatsächlich eine Brücke schlägt, bleibt umstritten.
3. West Virginia: 2. Kongressdistrikt (12. Mai)
Ein klassisches „Blue Dog“-Rennen: Lacy Watson, eine ehemalige Lehrerin und langjährige Demokratin, tritt gegen den konservativen Republikaner Alex Mooney an. Watson setzt auf Wirtschaftsförderung und lokale Themen, während Mooney als Hardliner gilt. Die Frage ist, ob Watsons moderater Kurs in einem stark republikanischen Distrikt ausreicht.
4. Kalifornien: 47. Kongressdistrikt (3. Juni)
In einem traditionell demokratisch dominierten Distrikt könnte die Vorwahl zum Zünglein an der Waage werden. Rep. Katie Porter, eine progressive Ikone, tritt gegen Dave Min an, einen gemäßigteren Demokraten. Porter, bekannt für ihre harten Auseinandersetzungen mit der Finanzbranche, setzt auf ihre Popularität. Min hingegen wirbt mit pragmatischen Lösungen. Wer auch immer gewinnt: Die Republikaner haben hier kaum Chancen.
5. New Jersey: 7. Kongressdistrikt (3. Juni)
Ein Duell der Generationen: Rep. Tom Malinowski, 73, ein erfahrener Außenpolitiker, trifft auf Shrina Kurani, eine 34-jährige Tech-Unternehmerin. Kurani wirbt mit frischen Ideen und einer Fokussierung auf Innovation, während Malinowski auf seine außenpolitische Expertise setzt. Die Vorwahlen könnten zeigen, ob die Partei eher auf Erfahrung oder auf neuen Wind setzt.
6. Montana: Senatsvorwahl (3. Juni)
Ein Rennen mit nationaler Strahlkraft: Sen. Jon Tester, ein gemäßigter Demokrat, der seit 2007 im Senat sitzt, tritt gegen Tim Sheehy an, einen ehemaligen Navy SEAL und Republikaner. Tester, bekannt für seine pragmatische Haltung, muss sich gegen den populistischen Sheehy behaupten, der mit harten Worten gegen die Biden-Regierung und die „Elite“ in Washington antritt. Die Umfragen sind knapp – ein Sieg Testers wäre ein Signal für die Demokraten.
7. Texas: 34. Kongressdistrikt (3. Juni)
Ein Hochburg der Demokraten, in dem die Vorwahl zum Machtkampf wird: Rep. Vicente Gonzalez und Michelle Vallejo liefern sich ein enges Rennen. Gonzalez, ein etablierter Politiker, setzt auf seine Erfahrung, während Vallejo, eine progressive Aktivistin, mit einer Kampagne für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz punkten will. Die Frage ist, ob die Basis eher den etablierten Kandidaten oder einen Neuling bevorzugt.
8. South Carolina: 1. Kongressdistrikt (10. Juni)
Ein seltenes demokratisches Hoffnungssignal in einem tiefroten Bundesstaat: Rep. Nancy Mace, eine umstrittene Republikanerin, die sich gegen Trump stellte, könnte gegen Michael Moore verlieren. Moore, ein progressiver Anwalt, setzt auf Themen wie Gesundheitsversorgung und Bildung. Sollte er gewinnen, wäre es ein historischer Sieg für die Demokraten in South Carolina.
9. New York: 3. Kongressdistrikt (24. Juni)
Ein Rennen mit familieninternen Konflikten: Rep. Tom Suozzi, ein gemäßigter Demokrat, tritt gegen Robert Zimmerman an, einen progressiven Aktivisten. Suozzi, der bereits 2022 knapp verlor, setzt auf seine pragmatische Politik, während Zimmerman mit einer radikalen Reformagenda wirbt. Die Vorwahl könnte zeigen, ob die Demokraten in New York eher auf Kompromiss oder auf radikalen Wandel setzen.
Was diese Vorwahlen für die Midterms bedeuten
Die demokratischen Vorwahlen 2026 sind mehr als nur interne Machtkämpfe. Sie entscheiden mit, wer im Herbst gegen die Republikaner antritt – und ob die Demokraten ihre knappe Mehrheit im Kongress verteidigen können. Besonders spannend sind die Rennen in den Swing States, wo moderate und progressive Kandidaten um die Gunst der Wähler buhlen. Die Ergebnisse werden zeigen, ob die Partei einen Kurs der Einheit oder der Polarisierung einschlägt.
„Diese Vorwahlen sind ein Test dafür, wie die Demokraten mit den Herausforderungen der kommenden Jahre umgehen wollen – ob sie auf Erfahrung oder auf neuen Ideen setzen.“
Politikexperte der Universität München