Eine Studie von Forschern der Stanford University, des Imperial College London und des Internet Archive kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 werden etwa ein Drittel aller neu veröffentlichten Websites mit KI-Unterstützung erstellt. Die Ergebnisse wurden in der Studie „The Impact of AI-Generated Text on the Internet“ veröffentlicht.
KI verändert das Internet in Rekordzeit
Jonáš Doležal, KI-Forscher an der Stanford University und Mitautor der Studie, zeigt sich besorgt über das Tempo der Entwicklung: „Nach Jahrzehnten, in denen Menschen das Internet geprägt haben, wird ein signifikanter Teil heute in nur drei Jahren von KI definiert. Das ist eine der größten Transformationen der digitalen Landschaft – und das in kürzester Zeit.“
Die Forscher analysierten über 33 Monate hinweg (August 2022 bis Mai 2025) Websites aus dem Internet Archive. Mit der KI-Erkennungssoftware Pangram v3 wurden die Inhalte auf KI-Generierung überprüft. Anschließend testeten die Wissenschaftler sechs zentrale Hypothesen zu den Auswirkungen von KI-Texten:
- Führt KI zu einer Verringerung der Meinungsvielfalt?
- Verbreitet KI mehr Desinformation durch „Halluzinationen“?
- Werden Texte optimistischer und weniger komplex?
- Zitieren KI-Texte ihre Quellen korrekt?
- Weisen KI-generierte Texte eine geringere semantische Dichte auf?
- Führt KI zu einer uniformen Schreibkultur, in der individuelle Stimmen verschwinden?
KI-Texten fehlt Vielfalt und Faktentreue
Die Studie kommt zu alarmierenden Erkenntnissen: KI-generierte Texte neigen zu einer „sanitisierten und optimistischen“ Sprache, die weniger nuanciert und vielfältig wirkt. Zudem wurden in Stichproben häufiger falsche oder unvollständige Fakten festgestellt. Die Forscher warnen vor einer „Degradierung der semantischen und stilistischen Vielfalt“ sowie einer Zunahme von Fehlinformationen.
Ein weiteres Problem: Viele KI-Texte zitieren keine oder nur unvollständige Quellen. Die Wissenschaftler analysierten dazu ausgehende Links und prüften, ob diese auf seriöse Referenzen verweisen. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus – besonders bei KI-generierten Inhalten.
Kritik an der „Dead Internet Theory“
Die Studie wurde auch von der sogenannten „Dead Internet Theory“ inspiriert, die besagt, dass ein Großteil des Internets mittlerweile von Bots und KI-Systemen dominiert wird. Die Forscher betonen jedoch, dass ihre Daten zwar einen starken KI-Einfluss belegen, aber noch keine vollständige „Botifizierung“ des Internets vorliegt.
Dennoch warnen sie vor den langfristigen Folgen: „Wenn KI-generierte Inhalte weiter exponentiell zunehmen, könnte dies die Qualität und Glaubwürdigkeit des Internets nachhaltig beeinträchtigen“, so die Autoren.
Fazit: Das Internet steht vor einem Wendepunkt
Die Studie unterstreicht, wie schnell sich das Internet durch KI verändert – und welche Risiken damit verbunden sind. Während KI-Tools die Content-Erstellung beschleunigen, drohen gleichzeitig Qualitätsverlust, Uniformität und Desinformation zuzunehmen. Die Forscher fordern eine stärkere Regulierung und Transparenz, um die negativen Effekte einzudämmen.