Jeffrey Epsteins Tod im Jahr 2019, offiziell als Suizid eingestuft, gibt bis heute Rätsel auf. Der Finanzier, der wegen des Betriebs eines Kinderhandelsrings angeklagt war, unterhielt enge Verbindungen zu Politikern und Prominenten. Sein Prozess hätte möglicherweise ein ganzes Netzwerk einflussreicher Personen offenlegen können. Doch wie konnte es in einer Hochsicherheitszelle mit ständiger Überwachung zu seinem Tod kommen?

Seitdem ranken sich Verschwörungstheorien um den Fall. Jetzt bringt ein neuer Bericht des New York Times eine weitere fragwürdige Information ans Licht: Epstein könnte bereits einen Monat vor seinem Tod einen Abschiedsbrief verfasst haben.

Laut Aussagen seines damaligen Zellengenossen Nicholas Tartaglione fand dieser den Brief nach einem Vorfall, bei dem Epstein wenige Wochen vor seinem Tod leblos aufgefunden wurde. Der Inhalt des Briefes soll gelautet haben: „Es ist Zeit, Abschied zu nehmen“ sowie die Zeile „Was soll ich tun, soll ich losheulen?“ Der Brief sei auf einem Schreibblock verfasst und zwischen den Seiten eines Comics versteckt gewesen.

Epstein überlebte diesen ersten Vorfall und behauptete gegenüber den Gefängniswärtern, nicht suizidgefährdet zu sein. Die Spuren an seinem Hals führte er auf Tartaglione zurück. Später zog er diese Anschuldigung zurück und erklärte gegenüber Ermittlern des Bureau of Prisons am 31. Juli, keine Probleme mit seinem Zellengenossen zu haben.

Der angebliche Abschiedsbrief wurde bisher nicht öffentlich einsehbar gemacht. Die New York Times berichtet, dass er von einem Bundesrichter während Tartagliones eigenem Strafverfahren versiegelt wurde. Tartaglione verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe wegen vierfachen Mordes und befindet sich in Berufung.

Am Donnerstag forderte die Zeitung den Richter auf, den Brief freizugeben. „Ermittler, die Epsteins hochumstrittenen Tod untersuchten, verfügten nie über dieses potenziell entscheidende Beweisstück“, heißt es in dem Artikel.

Eine Sprecherin des Justizministeriums (DOJ) bestätigte gegenüber der New York Times, dass die Behörde den Brief nie gesehen habe. Er wurde auch nicht in den offiziellen Untersuchungen zu Epsteins Tod erwähnt.

Die ungelösten Fragen um Epsteins Tod nähren weiterhin Verschwörungstheorien. Bereits 2019 postete ein Nutzer auf 4chan über Epsteins Tod, noch bevor Medien davon berichteten. In Donald Trumps zweiter Amtszeit veröffentlichte seine Regierung ein 11-stündiges Überwachungsvideo, das angeblich beweisen sollte, dass niemand Epsteins Zelle in der Nacht seines Todes betrat. Journalisten entdeckten jedoch schnell Ungereimtheiten in der Aufzeichnung.