Erdrutsche sind in Neuseeland mittlerweile die teuerste Naturgefahr – und die Kosten steigen rasant. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Natural Hazards Commission – Toka Tū Ake (NHC), die für die Absicherung von Naturgefahren in Neuseeland zuständig ist. Bisher galten vor allem Erdbeben und Vulkanausbrüche als größte Risiken für das Land.

Die NHC, hervorgegangen aus der früheren Erdbebenkommission (EQC), fungiert als finanzieller Risikopool. Hausbesitzer zahlen eine zusätzliche Abgabe, die in einen Fonds fließt. Im Schadensfall übernimmt dieser bis zu 300.000 Neuseeland-Dollar (ca. 175.000 Euro) der Reparaturkosten. Der Rest wird von der privaten Gebäudeversicherung gedeckt. Eine staatliche Rückfallgarantie sichert die Zahlungsfähigkeit des Fonds ab.

Doch die NHC geht über reine Schadensabwicklung hinaus: Sie analysiert Gefahrenquellen, fördert Präventionsmaßnahmen und unterstützt die Forschung zu Naturgefahren. Jetzt warnt die Kommission vor einer dramatischen Zunahme von Erdrutschen – ausgelöst durch häufigere Starkregenfälle.

Erdrutsche verursachen seit 2021 Schäden von über 322 Millionen Neuseeland-Dollar

Seit 2021 hat die NHC 13.000 Erdrutsch-Schadensmeldungen registriert und bereits 322 Millionen Neuseeland-Dollar (191 Millionen US-Dollar) ausgezahlt. Die Verluste steigen rapide, da immer mehr bisher stabile Hänge durch extreme Wetterereignisse instabil werden. Besonders betroffen sind Wohngebiete, Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen.

Die NHC rät Grundstücksbesitzern zu präventiven Maßnahmen, wie der Überprüfung von Hangstabilität und Entwässerungssystemen. Gleichzeitig warnt sie vor den Grenzen des Versicherungsschutzes: Die NHC-Deckung greift nur bei direkten Schäden durch Naturgefahren, nicht jedoch bei indirekten Folgen wie langfristigen Wertverlusten.

Warum Erdrutsche schwer vorhersehbar sind

Im Gegensatz zu Erdbeben oder Überschwemmungen sind Erdrutsche komplex und schwer zu prognostizieren. Die NHC identifiziert mehrere Gründe für diese Herausforderungen:

  • Fehlende Langzeitdaten: Im Vergleich zu Erdbeben oder Hochwasser gibt es weniger historische Aufzeichnungen zu Erdrutschen.
  • Komplexe Auslöser: Neben Starkregen spielen auch Erdbeben, menschliche Eingriffe und Bodenbeschaffenheit eine Rolle.
  • Unklare Risikokarten: Viele Regionen in Neuseeland sind zwar bekannt für Erdrutschgefahr, aber präzise Gefahrenkarten fehlen oft.
  • Begrenzte Forschung: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erdrutschen hinkt hinterher, da sie weniger medienwirksam sind als andere Naturkatastrophen.

Experten fordern daher mehr Investitionen in die Erforschung von Erdrutschen – insbesondere in die Analyse von Auslösern, Hangbewegungen und Schadensausmaß. Nur so lassen sich zuverlässige Warnsysteme entwickeln.

„Erdrutsche sind eine unterschätzte Gefahr in Neuseeland. Die aktuellen Daten zeigen, dass wir dringend handeln müssen – sowohl in der Prävention als auch in der Forschung.“
– Sprecher der Natural Hazards Commission

Was Hausbesitzer jetzt tun können

Die NHC gibt folgende Empfehlungen, um das Risiko von Erdrutschschäden zu minimieren:

  • Hanglage prüfen: Besonders in bekannten Risikogebieten sollte die Stabilität des Bodens regelmäßig überprüft werden.
  • Entwässerung optimieren: Staunässe begünstigt Erdrutsche – Drainagen und Hangentwässerung können helfen.
  • Bewuchs erhalten: Bäume und Sträucher stabilisieren Hänge; Rodungen sollten vermieden werden.
  • Versicherungsschutz prüfen: Die NHC-Deckung hat Grenzen – private Zusatzversicherungen können sinnvoll sein.
  • Warnsignale beachten: Risse in Wänden, sich neigende Bäume oder neue Quellen sind Alarmzeichen.