Europas traditionelle Automobilhersteller suchen zunehmend die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern, um ungenutzte Fabriken auszulasten. Doch nicht alle chinesischen Marken sind daran interessiert – allen voran BYD. Während Ford angeblich über eine weitreichende Partnerschaft mit Geely verhandelt, hat Leapmotor bereits konkrete Pläne für den europäischen Markt bekanntgegeben.
Stellantis und Leapmotor: Eine strategische Allianz mit Risiken
Stellantis hat Ende 2023 eine 21-prozentige Beteiligung an Leapmotor erworben und die Zusammenarbeit seitdem intensiviert. Ab 2028 soll ein Opel-SUV auf Basis chinesischer Technik erscheinen, während mehrere Leapmotor-Modelle im Stellantis-Werk in Villaverde bei Madrid produziert werden. Das Werk geht zudem in den Besitz der gemeinsamen spanische Tochtergesellschaft über.
Für Stellantis bietet die Partnerschaft kurzfristige Vorteile: Die Auslastung der Fabriken steigt, und Leapmotor umgeht teure Importzölle durch lokale Produktion. Doch die langfristigen Folgen sind umstritten. Julia Poliscanova von der Umweltorganisation Transport & Environment warnt:
"Ich mache mir Sorgen, was das langfristig bedeutet. Sobald die chinesischen Marken hier Fuß fassen und ihre Fahrzeuge etablieren, könnte das ein Punkt ohne Rückkehr sein."
Ford und Geely: Eine mögliche Mega-Partnerschaft
Auch Ford steht kurz vor einer umfassenden Kooperation mit Geely. Details sind noch nicht bekannt, doch die Gespräche deuten auf eine breite Zusammenarbeit hin, die über reine Technologiepartnerschaften hinausgeht. Stellantis-Chef Antonio Filosa betont, dass das Unternehmen nicht nur mit chinesischen Herstellern zusammenarbeiten wolle:
"Chinesische Hersteller sind starke Player, die mit viel Power nach Europa kommen. Aber wir prüfen auch andere Optionen. Leapmotor ist bereits ein geschätzter Partner – deshalb haben wir die Zusammenarbeit vertieft."
BYD setzt auf Unabhängigkeit
Während andere chinesische Hersteller auf Joint Ventures setzen, verfolgt BYD eine klare Eigenständigkeitsstrategie. Executive Vice President Stella Li erklärt:
"Es ist schwierig, mit einem Partner zusammenzuarbeiten und ständig um Erlaubnis zu fragen. Wir bevorzugen es, alles selbst zu steuern. Wir kooperieren mit anderen Herstellern, etwa beim Batterieverkauf, aber nicht in der Produktion."
BYD verhandelt zwar mit Stellantis und anderen europäischen Unternehmen über die Übernahme ungenutzter Werke, lehnt aber klassische Joint Ventures ab. Stattdessen will der Konzern eigene Fabriken in Europa errichten, um die Kontrolle über Produktion und Vertrieb zu behalten.
Fazit: Chance oder Gefahr für Europas Autoindustrie?
Die aktuellen Partnerschaften könnten europäischen Herstellern kurzfristig helfen, doch die langfristigen Auswirkungen sind ungewiss. Während einige Experten vor einer Abhängigkeit von chinesischen Technologien warnen, setzen andere auf die Wettbewerbsfähigkeit durch lokale Produktion. Eines ist sicher: Die Machtverhältnisse in der globalen Automobilbranche verschieben sich – und Europa muss sich anpassen.