Grüne Lehmplätze als Klimaretter?

Könnte Tennis die Welt retten? Nein, aber wenn alle Tennisplätze der Welt aus grünem Ton bestünden, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung. Eine aktuelle Studie im Fachmagazin Applied Geochemistry belegt, dass grüne Lehmplätze im Vergleich zu Hartplätzen deutlich klimafreundlicher sind. Die Forscher Frankie Pavia und Jonathan Lambert analysierten dabei nicht nur den Bau, sondern auch Transport, Materialbeschaffung und Wartung der verschiedenen Beläge.

Drei Mal weniger CO₂ als Hartplätze

Laut der Modellrechnung verursachen grüne Lehmplätze bei der Errichtung 1,6- bis 3-mal weniger CO₂-Emissionen als herkömmliche Hartplätze – dem Standard in den USA. Doch das ist noch nicht alles: Durch chemische Reaktionen mit Wasser und Luft binden die Tonplätze zusätzlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Mit der Zeit können sie sogar netto-negative Emissionen erreichen und aktiv zur Klimarettung beitragen.

Von der Uni zur Tennis-Crew

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Studie entstand fast zufällig. Pavia und Lambert, beide Geowissenschaftler, trafen sich während ihres Studiums an der Columbia University in New York. Ihr Campus für Erdwissenschaften liegt in den New Jersey Palisades – eine lange Anfahrt, die sie regelmäßig mit dem Bus zurücklegten. Dabei fiel ihnen ein Tennisplatz im nahegelegenen Riverbank State Park auf. Schnell wurde daraus eine feste Tennisrunde: Nach der Arbeit trafen sie sich dort zum Doppel.

Was als Hobby begann, entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Erkenntnis. Denn die beiden erkannten: Die Lösung für Klimaprobleme könnte buchstäblich unter ihren Füßen liegen – in Form von Gestein. Um den Klimawandel zu bekämpfen, reicht es nicht aus, nur Emissionen zu reduzieren. Vielmehr braucht es aktive Methoden zur CO₂-Entfernung aus der Atmosphäre. Eine davon ist das sogenannte „Enhanced Rock Weathering“ (beschleunigte Gesteinsverwitterung). Dabei nutzen spezielle Gesteine chemische Prozesse, um CO₂ zu binden und langfristig zu speichern.

Ton als natürlicher CO₂-Speicher

Grüner Ton besteht aus Mineralien wie Kalzium und Magnesium, die mit CO₂ reagieren und es in stabile Verbindungen umwandeln. Dieser Prozess findet zwar auch natürlich statt, aber durch die große Oberfläche der Tennisplätze wird er beschleunigt. Die Studie zeigt damit, dass selbst scheinbar kleine Veränderungen – wie die Wahl des Tennisplatz-Belags – einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten können.

„Wenn wir über CO₂-Entfernung sprechen, denken viele an teure Technologien. Dabei gibt es natürliche Lösungen, die bereits in unserem Alltag funktionieren – wie grüne Lehmplätze.“

Frankie Pavia, Co-Autor der Studie

Praktische Umsetzung: Was bedeutet das für Tennisplätze?

Die Studie ist ein Plädoyer für nachhaltigere Sportinfrastrukturen. Allerdings gibt es Herausforderungen: Lehmplätze benötigen mehr Pflege als Hartplätze und sind wetterabhängig. Dennoch könnten sie in Regionen mit gemäßigtem Klima eine sinnvolle Alternative sein. Besonders in Ländern mit vielen Tennisanlagen – wie den USA oder Europa – ließe sich so ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse nicht nur für Tennis gelten. Ähnliche Effekte könnten auch andere Sportstätten oder sogar landwirtschaftliche Flächen erzielen, wenn sie mit geeigneten Gesteinsmaterialien kombiniert werden. Die Studie unterstreicht damit, wie wichtig es ist, natürliche Prozesse in Klimastrategien einzubeziehen.

Quelle: Defector