Remoras haben sich zu wahren Anhaltern der Meere entwickelt. Ihr markantes Merkmal ist der Saugnapf auf der Stirn, mit dem sie sich wie ein Magnet an größeren Tieren festklammern. Zu ihren Wirten zählen Haie, Rochen, Wale, Seekühe, Schildkröten – sogar Papageifische. Lange Zeit galt die Symbiose als Win-Win-Situation: Die Remoras entfernten Parasiten und abgestorbene Hautschuppen von ihren Wirten und erhielten dafür kostenlose Transportmittel sowie Nahrungsreste. Doch diese Sichtweise gerät zunehmend ins Wanken.

Neue Erkenntnisse: Remoras als Parasiten?

Emily Yeager, Doktorandin an der Universität Miami, stellt die bisherige Annahme infrage. In einer aktuellen Studie zeigt sie, dass Remoras ihren Wirten oft mehr schaden als nützen. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung ergab, dass Meeresschildkröten mit ein bis drei Remoras weniger grasten. Zudem fand sich nur ein einziger Fall, in dem eine Remora tatsächlich einen Schildkrötenpanzer reinigte. Stattdessen können die starken Saugnäpfe der Fische Verletzungen verursachen, und es gibt Beobachtungen von Remoras, die sogar in die Körperöffnungen ihrer Wirte eindringen.

„Kloakentauchen“ – ein neues Phänomen

Yeagers Forschung dokumentiert erstmals, wie Remoras in die Kloaken von Mantarochen eindringen und sich teilweise in deren Körperöffnungen verkeilen. Die Wissenschaftler nennen dieses Verhalten „Kloakentauchen“ – ein Begriff, der die fragwürdige Natur dieser Interaktion eher beschönigt. Ihre Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution, untermauert die These, dass Remoras nicht nur harmlose Mitfahrer, sondern potenzielle Parasiten sind. Yeager betont, dass diese Erkenntnisse die Bedeutung direkter Beobachtungen in der Meeresforschung verdeutlichen.

Von Symbiose zu Parasitismus?

Früher galt die Beziehung zwischen Remoras und ihren Wirten als klassisches Beispiel für Mutualismus – beide Seiten profitieren. Doch die neuen Daten zeigen ein anderes Bild: Remoras nutzen ihre Wirte oft aus, ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Besonders problematisch ist ihr Verhalten bei großen Meerestieren wie Walhaien, deren Kloaken sie als Unterschlupf nutzen. In einigen Fällen wurden Remoras sogar in den Kiemenspalten oder im Maul ihrer Wirte gesichtet.

Die Forschung steht noch am Anfang, doch die Erkenntnisse werfen wichtige Fragen auf: Ist die Remora wirklich ein nützlicher Symbiont oder ein geschickter Parasit? Fest steht, dass diese kleinen Fische mit ihrem Verhalten die Dynamik mariner Ökosysteme beeinflussen könnten – und das nicht immer zum Vorteil ihrer Wirte.

Quelle: Defector