PHILADELPHIA, PENNSYLVANIA – Die Carolina Hurricanes haben am Samstagabend Geschichte geschrieben. Mit ihrem achten Playoff-Sieg in Folge – und dem zweiten Sweep in Serie – bezwangen sie die Philadelphia Flyers in Spiel vier der zweiten Runde. Damit sind sie das erste Team in der NHL-Geschichte, das seit Einführung des Best-of-Seven-Formats 1987 beide Erstrunden-Serien ohne Niederlage überstand. Zudem starteten sie mit 8-0 in den Playoffs – eine Leistung, die zuletzt 1985 erreicht wurde. Nur vier Teams zuvor schafften diesen Saisonstart.

Doch trotz dieser historischen Erfolge bleibt die große Frage: Sind die Hurricanes wirklich ein Stanley-Cup-Favorit? Die Meinungen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Ein Grund für die Skepsis: Die Hurricanes spielen Hockey auf eine Weise, die dem modernen NHL-Standard widerspricht. Statt auf kontrollierten Angriff mit viel Raum setzen sie auf brutale Forechecks und defensive Rotationen, die das Spiel umdrehen. Ihre Stärke liegt darin, Starspieler der Gegner zu neutralisieren und das Spiel auf ihre Tiefe statt auf Top-Line-Stärke zu verlagern. Doch genau das polarisiert.

Hinzu kommt eine langjährige Abneigung gegen Teams aus dem Süden der USA – besonders seit die Florida Panthers in den letzten beiden Jahren den Cup gewannen. Kritiker werfen den Hurricanes vor, ihre bisherigen Gegner seien „leicht“ gewesen. Doch das ist eine vereinfachte Darstellung.

Die Ottawa Senators und Philadelphia Flyers, die Carolina bisher besiegte, waren keineswegs schwache Teams. Mit 99 bzw. 98 Punkten in der regulären Saison lagen sie vor der gesamten Pacific Division der Western Conference. Sie waren stärker als die Utah Mammoth, die von den Vegas Golden Knights in der ersten Runde eliminiert wurden, und nur ein Sieg schlechter als die Boston Bruins – die von den Buffalo Sabres besiegt wurden. Dennoch werden ihre Leistungen als Argument gegen die Hurricanes genutzt, obwohl kein anderes Playoff-Team eine solche Kritik erfährt.

Die Realität: Ottawa und Philadelphia waren in dieser Form nicht für die Hurricanes vorbereitet. Beide Teams spielten ihre beste Hockey auf sauberem Eis mit offenen Passwegen und Raum für Aufbau. Genau das verhindert Carolina mit ihrer aggressiven Defensivtaktik. Sie zwingen die Gegner in ihre eigene Spielweise – und dominieren dann.

Ob die Hurricanes damit den Stanley Cup gewinnen können, bleibt offen. Doch eines ist sicher: Sie haben bewiesen, dass sie anders gewinnen – und das macht sie zu einem der spannendsten Teams der Playoffs.

Quelle: SB Nation