Seit Jahresbeginn 2026 haben Krypto-Investoren weltweit Verluste von über 100 Millionen Dollar durch körperliche Erpressung erlitten. Laut dem Blockchain-Sicherheitsunternehmen CertiK nutzen Kriminelle zunehmend „Wrench Attacks“ – eine brutale Methode, bei der Opfer durch körperliche Gewalt, Drohungen oder Entführung gezwungen werden, Kryptowährungen zu übertragen oder Zugang zu ihren Wallets zu gewähren.
Diese Angriffe richten sich gezielt gegen die Besitzer digitaler Wallets, statt gegen die technische Infrastruktur. Damit stellen sie eine neue Bedrohung für eine Branche dar, die sich jahrelang gegen Phishing, Malware, Smart-Contract-Exploits und Börsen-Hacks verteidigt hat.
Dramatischer Anstieg der Angriffe
CertiK verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Anstieg der bestätigten globalen Vorfälle um 41 % auf 34 Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte die Zahl der Angriffe bis Ende 2026 auf etwa 130 steigen – mit Verlusten im dreistelligen Millionenbereich. Damit würden die diesjährigen Vorfälle die Rekordzahl von 2025 übertreffen, das bereits als das aktivste Jahr für körperliche Angriffe im Krypto-Bereich galt.
Doch Experten und Strafverfolgungsbehörden gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch höher liegen. Viele Opfer melden die Taten aus Angst vor Rache oder aufgrund der traumatischen Erfahrung nicht. Im Gegensatz zu digitalen Angriffen, bei denen gestohlene Gelder oft nachverfolgt werden können, bleiben physische Erpressungen häufig im Dunkeln.
Frankreich im Fokus der Krypto-Kriminalität
Europa hat sich 2026 zum Epizentrum der Bedrohung entwickelt: 82 % aller bestätigten „Wrench Attacks“ weltweit entfallen auf den Kontinent. Während die Vorfälle in den USA und Asien rückläufig sind, verzeichnet Frankreich eine besonders hohe Konzentration solcher Straftaten.
Französische Behörden bestätigten auf der Paris Blockchain Week 41 Fälle körperlicher Erpressung im Zusammenhang mit Kryptowährungen seit Januar – das entspricht etwa einem Angriff alle zweieinhalb Tage. Die französische Regierung räumt ein, dass das Problem eskaliert.
Warum ist Frankreich besonders betroffen?
Mehrere Faktoren begünstigen die hohe Kriminalitätsrate in Frankreich:
- Konzentration der Krypto-Branche: Frankreich beherbergt führende Unternehmen wie Ledger und Paymium, was eine große Anzahl von Gründern, Investoren und Early Adoptern anzieht.
- Öffentliche Sichtbarkeit: Events, Meetups und Social-Media-Aktivitäten machen es Kriminellen leicht, potenzielle Opfer zu identifizieren.
- Datenlecks: Der Missbrauch sensibler Daten verschärft die Gefahr. Ein Beispiel ist der Fall der Steuerbeamtin Ghalia C., die beschuldigt wird, mit Hilfe staatlicher Software Profile von Krypto-Besitzern gesammelt und an kriminelle Netzwerke verkauft zu haben.
Diese Entwicklungen zeigen, dass Angreifer nicht mehr nur auf offensichtliche Anzeichen von Reichtum wie Social-Media-Posts angewiesen sind. Durch geleakte Steuerdaten, Kundenlisten oder Adressen können sie gezielt nach Opfern suchen – selbst ohne deren öffentliche Präsenz.
„Die Kombination aus Branchenkonzentration, Datenlecks und der Bereitschaft von Kriminellen, Gewalt einzusetzen, macht Frankreich zu einem Hotspot für diese Art von Kriminalität.“
– CertiK-Sicherheitsforscher
Fazit: Neue Sicherheitsstrategien erforderlich
Die Zunahme von „Wrench Attacks“ zwingt die Krypto-Branche, ihre Sicherheitskonzepte zu überdenken. Während digitale Schutzmechanismen immer ausgefeilter werden, rückt der Schutz der physischen Integrität von Investoren und Unternehmen in den Vordergrund. Experten raten zu erhöhter Wachsamkeit, besserem Datenschutz und engerer Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden, um die Opferzahlen zu senken.