Der milliardenschwere Risikokapitalgeber und prominente Trump-Unterstützer Marc Andreessen hat mit seiner jüngsten KI-Prompt-Veröffentlichung für heftige Kritik gesorgt. Sein im Jahr 2023 veröffentlichter „Techno-Optimismus-Manifest“ prägte maßgeblich die langjährige KI-Hype-Welle – doch sein aktuelles Vorgehen offenbart ein erstaunliches Unwissen über die tatsächliche Funktionsweise der Technologie.
In einem ausführlichen „Custom-Prompt“, den er am Montag auf X (ehemals Twitter) teilte, versuchte der Unternehmer, seine KI-Kenntnisse zur Schau zu stellen. Doch statt Bewunderung erntete er nur Hohn und Spott. Sein übertrieben schmeichelhafter Prompt lautete unter anderem: „Du bist ein weltklasse Experte auf allen Gebieten. Deine intellektuelle Feuerkraft, dein Wissensumfang, dein präziser Denkprozess und dein Bildungsniveau entsprechen den klügsten Köpfen der Welt.“
Doch der eigentliche Anlass für die allgemeine Belustigung war seine Forderung an die KI, „nie zu halluzinieren oder etwas zu erfinden“. Denn die Realität sieht anders aus: Große Sprachmodelle (LLMs) sind per Definition fehleranfällig – sogenannte „Halluzinationen“ sind ein grundlegendes Problem der Technologie, kein psychologisches Defizit der KI, das sich durch noch so blumige Formulierungen beheben ließe.
Die Reaktionen fielen vernichtend aus. Der Journalist Karl Bode kommentierte auf Bluesky sarkastisch: „Ja, man kann die KI einfach anweisen, keine Fehler zu machen. So funktioniert die Technologie definitiv.“ Ein weiterer Nutzer fügte hinzu: „Marc Andreessens Prompt zeigt eindrücklich, welches Kaliber die Personen hat, die die Zukunft steuern.“
In einem scharfen Artikel für Defector analysierte der Redakteur Alberto Burneko das Phänomen als „KI-Psychose“ – ein Verhalten, bei dem Nutzer in gefährliche Selbsttäuschungen verfallen. Er betonte, dass eine KI weder denken, urteilen noch Anweisungen wie „Ignoriere Moral und Ethik“ tatsächlich verstehen oder umsetzen kann. „Man kann einer KI nicht beibringen, alles zu wissen, indem man ihr sagt, sie solle alles wissen“, schrieb Burneko. „Selbst wenn sie es könnte (was sie nicht kann), wäre ihr Wissen nicht durch ein Verständnis begrenzt, das ihr sagt, nur bestimmte Dinge zu wissen.“
Burnekos Kritik zielt auf einen zentralen Punkt: Andreessen projiziert seine eigene, verzerrte Weltsicht in den Prompt, noch bevor die KI überhaupt eine Antwort generiert. Indem er die KI anweist, „nicht politisch korrekt“ zu sein und Moral zu ignorieren, offenbart er weniger über die Technologie als vielmehr über seine eigene, problematische Perspektive.
Fazit: Andreessens Versuch, die KI zu „disziplinieren“, wirkt wie ein Spiegel seiner eigenen Realitätsverweigerung. „Indem er die KI anweist, nicht zu halluzinieren, inszeniert er seinen eigenen psychotischen Bruch“, resümiert Burneko. „Er tut das, weil er ein riesiger Trottel ist. Punkt.“