Seit mehr als einem halben Jahrhundert beobachten die Bewohner von Sampson County in North Carolina, wie ihre lokale Mülldeponie auf fast 1.300 Hektar anwächst und damit zur größten Deponie des Bundesstaates wird. Der Abfall stammt längst nicht mehr nur aus der Region, sondern wird aus dem gesamten Bundesstaat angeliefert. Für Einheimische wie Sherri White-Williamson wirft die Dimension der Anlage zunehmend Fragen auf.
Die 47-Jährige wuchs in der Region auf und ist besorgt über mögliche Giftstoffe, die aus der Deponie ins Grundwasser sickern könnten. Besonders die gesundheitlichen Folgen für die Anwohner bereiten ihr Sorgen. „Viele Haushalte in der Umgebung beziehen ihr Wasser aus eigenen Brunnen“, erklärt White-Williamson. „Sie trinken es, baden darin, verwenden es zum Gießen von Gärten und zur Versorgung von Tieren.“
White-Williamson arbeitete jahrelang bei der US-Umweltschutzbehörde EPA, wo sie sich für Umweltgerechtigkeit einsetzte. Ihre Aufgaben umfassten Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung und die Vermittlung zwischen Gemeinden und Bundesbehörden. Als sie feststellte, dass diese Art von Engagement in ihrer Heimat fehlte, gründete sie 2020 gemeinsam mit anderen die gemeinnützige Organisation Environmental Justice Community Action Network (EJCAN). Ziel ist es, Gemeinden zu befähigen, sich für ihre Umwelt einzusetzen. Noch im selben Jahr organisierte EJCAN das erste Treffen und begann wenig später, mit Anwohnern der historisch afroamerikanischen Gemeinde Snow Hill zusammenzuarbeiten, die in der Nähe der Deponie liegt.
Die Bewohner äußerten zahlreiche Umwelt- und Gesundheitsbedenken. Ein zentrales Thema war schnell die mögliche Belastung des Grundwassers – insbesondere der privaten Brunnen, von denen viele Haushalte abhängig sind. Sherri White-Williamson vor dem EJCAN-Büro in Sampson County, NC.
In den folgenden Jahren kooperierte EJCAN mit der Universität North Carolina in Chapel Hill und der Appalachian State University. Dank kleiner Fördergelder konnten kostenlose Brunnenwasser-Tests angeboten werden. „Die Gemeinde berichtete von gehäuften Krankheitsfällen und war überzeugt, dass diese mit der Nähe zur Deponie und dem Trinkwasser zusammenhängen“, sagt White-Williamson. Bisher gab es jedoch kaum wissenschaftliche Untersuchungen dazu. „Es gab nie eine gesundheitliche Folgenabschätzung in der Region – alles basierte auf persönlichen Erfahrungen“, erklärt sie.
Die Wasseranalysen wurden zum ersten Schritt, um Beweise für eine mögliche Kontamination durch die Deponie zu sammeln. Die Ergebnisse waren alarmierend: Nach vier Testrunden wiesen 13 Prozent der untersuchten Brunnen erhöhte Werte von PFAS und anderen Schadstoffen auf. PFAS, kurz für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, sind synthetische Chemikalien, die seit den 1940er-Jahren in den USA produziert werden. Sie kommen in wasserabweisenden Textilien, beschichteten Pfannen und Löschschaum zum Einsatz. Aufgrund ihrer extrem langsamen Abbaubarkeit werden sie auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Dazu zählen sowohl ältere Substanzen wie PFOA und PFOS, die in den 2000er-Jahren schrittweise verboten wurden, als auch neuere Ersatzstoffe, die als weniger schädlich gelten sollten. Doch auch diese können gesundheitliche Risiken bergen.