Ein Jahrhundert voller Höhenflüge und Abstürze

Maserati verkörpert wie kaum ein anderer Hersteller die Widersprüche der Automobilgeschichte: Einerseits baut das italienische Traditionsunternehmen einige der begehrtesten Sportwagen der Welt, andererseits auch einige der am wenigsten gefragten Modelle. Die Preisspanne zwischen Top und Flop beträgt laut Hagerty Marketplace 6,6 Millionen Dollar – ein Rekord in der Branche.

An der Spitze steht der MC12 (2004–2007), ein exklusiver Supersportwagen mit limitierter Stückzahl. Am anderen Ende der Skala findet sich der Biturbo (1981–1993), dessen Wert selbst in Top-Zustand bei nur 11.700 Dollar liegt. Klassiker wie der 3500GT oder Sebring erreichen sechsstellige Summen, während moderne Modelle wie der 4200 GT oder Quattroporte bereits für vierstellige Beträge zu haben sind – wenn man Glück hat.

Doch warum ist Maserati so extrem gespalten? Die Antwort liegt in der wechselvollen Geschichte des Unternehmens, das seit 100 Jahren zwischen Innovation, finanziellen Krisen und strategischen Fehlentscheidungen schwankt.

Die Anfänge: Von Rennsportlegenden zum Familienunternehmen

Alles begann 1926, als die Brüder Alfieri, Ernesto und Ettore Maserati ihren ersten Rennwagen, den Tipo 26, konstruierten. Beim prestigeträchtigen Targa Florio belegte Alfieri mit dem Fahrzeug den achten Platz – ein vielversprechender Start. Nur drei Jahre später setzte der 16-Zylinder-V4-Motor einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 246 km/h, der acht Jahre lang ungeschlagen blieb.

In den 1930er-Jahren dominierte Maserati den Rennsport: Vier Siege in Folge bei der Targa Florio und zwei aufeinanderfolgende Siege beim Indianapolis 500 (1939 und 1940) machten das Unternehmen zur globalen Größe. Doch finanzieller Erfolg blieb aus. 1937 übernahm Adolfo Orsi das Ruder und trieb die Marke weiter voran.

Der goldene Ära: Fangio, Le Mans und der 250F

Unter Orsis Führung erreichte Maserati seinen ersten großen Höhepunkt: Juan Manuel Fangio gewann 1957 mit dem 250F die Formel-1-Weltmeisterschaft. Gleichzeitig entwickelte sich der Rennstall zur Legende – der Birdcage Tipo 61 verpasste 1961 nur knapp den Sieg in Le Mans. Auch im Straßenverkehr setzte Maserati Maßstäbe: Der 3500GT war das erste Modell, das in einer Stückzahl von über 1.000 Einheiten produziert wurde.

Doch trotz sportlicher Erfolge kämpfte das Unternehmen mit roten Zahlen. 1968 verkaufte Orsi Maserati an den französischen Konzern Citroën, der große Pläne hatte. In den folgenden sechs Jahren entstanden ikonische Modelle wie der Citroën SM, aber auch Maserati-Modelle wie der Indy, Bora, Merak und Quattroporte II. Doch die Ölkrise 1973 beendete diese Ära abrupt. Citroën geriet in finanzielle Schieflage und musste Maserati liquidieren.

Rettung in letzter Sekunde: De Tomaso, Fiat und Ferrari

Die nächste Rettungsaktion kam von dem argentinischen Unternehmer Alejandro de Tomaso, der später Unterstützung von Chrysler erhielt. Das Joint Venture brachte zwar den Chrysler TC by Maserati hervor – ein Flop – doch gleichzeitig debütierte 1981 der Biturbo, ein Kompakt-Sportwagen, der mit verschiedenen Ablegern wie dem Karif und Shamal die Marke am Leben hielt.

1989 sprang Fiat ein und übernahm Maserati. Zehn Jahre später verkaufte Fiat 50 Prozent der Anteile an Ferrari, das seine V8-Motoren in Modelle wie den 4200 GT einbaute. Doch die finanzielle Instabilität blieb: In den 2000er-Jahren kämpfte Maserati mit sinkenden Verkaufszahlen und Imageproblemen. Erst mit der Übernahme durch Fiat Chrysler Automobiles (FCA) 2014 und der Einführung moderner Modelle wie dem Levante und Ghibli gelang die Wende.

Heute: Zwischen Luxus und Herausforderungen

Maserati steht heute für exklusive Sportwagen und Luxuslimousinen, doch die Preisspanne bleibt extrem. Während der MC20 als neues Flaggschiff für rund 200.000 Euro gehandelt wird, finden sich ältere Modelle wie der Quattroporte V bereits ab 30.000 Euro auf dem Gebrauchtmarkt. Gleichzeitig kämpft die Marke mit Imageproblemen: Hohe Wartungskosten, fragliche Qualität und ein unklares Zukunftskonzept belasten das Geschäft.

Trotzdem bleibt Maserati ein Symbol für italienische Ingenieurskunst und Rennsportgeschichte. Von den Anfängen als kleines Familienunternehmen bis zum globalen Premiumhersteller – die Geschichte des Tridenten ist eine Achterbahnfahrt zwischen Triumph und Tragödie.

„Maserati verkörpert wie kein anderer Hersteller die Widersprüche der Automobilgeschichte: Einerseits die Krone des Luxus, andererseits ein Symbol für finanzielle Turbulenzen.“

Quelle: Hagerty