Konsumgüterhersteller träumen seit jeher davon, Zugang zu unseren Gedanken zu erhalten – sei es für personalisierte Werbung oder Datenauswertung. Jetzt behauptet ein vielversprechendes Neurotech-Startup, genau das zu können – ohne chirurgischen Eingriff.

Neurable lizenziert Gehirn-Interface an Hersteller

Das US-Unternehmen Neurable hat kürzlich bekannt gegeben, seine nicht-invasive Gehirn-Computer-Schnittstelle an Hersteller von Konsumgütern zu lizenzieren. Wie TechCrunch berichtet, sucht das Startup gezielt Partner aus den Bereichen Gesundheit, Gaming und Produktivität.

In einer Pressemitteilung heißt es:

"Durch Neurables Lizenzplattform können OEMs unsere KI-gestützte Gehirnsensorik direkt in bestehende Hardware wie Kopfhörer, Hüte, Brillen oder Stirnbänder integrieren – und dabei Design, Nutzererlebnis und Vertrieb vollständig selbst kontrollieren."

Keine OP nötig: Neurable setzt auf Wearables

Während Unternehmen wie Neuralink von Elon Musk auf implantierbare Chips setzen, verfolgt Neurable einen anderen Ansatz: Die Technologie soll über tragbare Geräte funktionieren. Bisheriger Höhepunkt ist die Zusammenarbeit mit dem Audiohersteller Master Dynamic, die die MW75 Neuro LT-Kopfhörer auf den Markt brachten. Diese sollen die Konzentration des Trägers messen und als numerische Bewertung anzeigen.

Doch bei einem Preis von 700 US-Dollar bleibt unklar, wie zuverlässig die Technologie tatsächlich ist. Unabhängige Tests fehlen bisher, und nicht-invasive Gehirn-Computer-Schnittstellen kämpfen traditionell mit Störgeräuschen und Signalverlusten.

Militärkooperation wirft ethische Fragen auf

Neurable arbeitet zudem mit dem US-Verteidigungsministerium zusammen: Ein Forschungsprojekt im Wert von 1,2 Millionen US-Dollar soll prüfen, ob die Technologie die kognitive Fitness von Air-Force-Soldaten überwachen kann. Diese Partnerschaft wirft nicht nur ethische Bedenken auf, sondern wirft auch Fragen nach dem verantwortungsvollen Umgang mit den gesammelten Gehirndaten auf.

James Giordano, ehemaliger Leiter der Neuroethik am Georgetown University Medical Center, warnt im Military Times vor den Folgen:

"Man kann sich leicht vorstellen, wie der erzwungene Einsatz solcher Geräte eine dystopische Grundlage für Verhaltenskontrolle schaffen könnte."

Zukunft der Neurotech: Wer wird die Technologie nutzen?

Es bleibt offen, welche Hersteller Neurables Technologie adaptieren – und ob Verbraucher bereit sind, für Geräte zu zahlen, die ihre innersten kognitiven Prozesse analysieren. Besonders brisant: Hinter dem Startup steht ein Verteidigungskontraktor, was zusätzliche Fragen zur Datensicherheit aufwirft.

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Quelle: Futurism