Die New York Times hat sich hinter einen umstrittenen Artikel von Nicholas Kristof gestellt, in dem dieser schwere Misshandlungen palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen beschreibt. Der Beitrag mit dem Titel „The Silence That Meets the Rape of Palestinians“ (Das Schweigen, das die Vergewaltigung der Palästinenser begleitet) löste eine Welle der Kritik aus – doch die Zeitung bleibt bei ihrer Position.

Keine Grundlage für Rücktrittsgerüchte

Charlie Stadtlander, Sprecher der New York Times, wies Spekulationen über eine mögliche Rücknahme des Artikels entschieden zurück. Er betonte:

„Es gibt keinerlei Wahrheit in diesen Gerüchten. Nicholas Kristof ist ein zweifacher Pulitzer-Preisträger, der seit Jahrzehnten über sexualisierte Gewalt berichtet. Er gilt als einer der besten investigativen Journalisten weltweit, der Missbrauch in Kriegs- und Konfliktgebieten dokumentiert. Kristof reiste in die Region, um die Geschichten palästinensischer Opfer persönlich zu recherchieren. Sein Artikel basiert auf direkten Zeugenaussagen und unabhängigen Studien.“

Israel wirft Kristof „antisemitische Hetze“ vor

Scharfe Kritik kam vom israelischen Außenministerium, das den Artikel als „eine der schlimmsten Blutlügen der modernen Presse“ bezeichnete. In einer Stellungnahme auf X (ehemals Twitter) heißt es:

„In einer unfassbaren Verkehrung der Realität und durch eine endlose Flut von haltlosen Lügen verwandelt der propagandistische Nicholas Kristof das Opfer in den Täter. Israel – dessen Bürger Opfer der schrecklichsten Sexualverbrechen durch die Hamas am 7. Oktober wurden und dessen Geiseln später weiteren Missbrauch erlitten – wird hier als Schuldiger dargestellt.“

Das Außenministerium fügte hinzu:

„Diese Veröffentlichung ist kein Zufall. Sie ist Teil einer gezielten und gut orchestrierten Kampagne gegen Israel, die darauf abzielt, das Land auf die schwarze Liste des UN-Generalsekretärs zu setzen. Israel wird diese Lügen mit der Wahrheit bekämpfen – und die Wahrheit wird siegen.“

Kristof fordert unabhängige Überprüfung

Kristof selbst reagierte auf die massive Kritik und schlug vor, unabhängige Kontrollen durch das Rote Kreuz und Anwälte für die rund 9.000 palästinensischen „Sicherheitshäftlinge“ zu ermöglichen.

„Für Skeptiker: Warum nicht Besuche des Roten Kreuzes und von Anwälten für die 9.000 palästinensischen ‚Sicherheitshäftlinge‘ vereinbaren? Wenn diese Missbrauchsvorwürfe falsch sind, wäre eine solche Überwachung doch schützend. Warum also nicht?“

Die Debatte um den Artikel zeigt einmal mehr die tiefen Gräben in der internationalen Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Während die einen die Glaubwürdigkeit Kristofs und der New York Times betonen, sehen andere darin eine gezielte Kampagne gegen Israel.

Quelle: The Wrap