Die NFL-Draft folgt offiziell einem klaren Ablauf: Teams wählen in aufeinanderfolgenden Runden Spieler aus, bis alle Picks vergeben sind. Danach beginnt die Phase der ungedrafteten Free Agents (UDFAs), in der Teams mit nicht ausgewählten Spielern Verträge aushandeln können. Doch die Praxis sieht längst anders aus.
Bereits vor dem letzten Tag des Drafts kontaktieren Teams gezielt Agenten von Spielern, die voraussichtlich nicht gedraftet werden. Besonders in den letzten vier Runden am Samstag eskaliert die Situation. Ab der fünften Runde bieten einige Teams bereits konkrete Verträge an – mit dem Verständnis, dass diese Vereinbarungen hinfällig werden, sobald der Spieler doch noch gedraftet wird.
Ein Insider, der seit Jahren mit Teams in dieser Phase zusammenarbeitet, bestätigt: „Die Teams sind dieses Jahr aggressiver denn je.“
Manche Teams setzen Agenten unter Druck und drohen damit, sofort zu anderen Spielern zu wechseln, wenn keine Einigung zustande kommt – noch während der Draft läuft. Kein Wunder also, dass erste Meldungen über unterzeichnete UDFAs bereits vor dem offiziellen Ende des Drafts auftauchen. Viele dieser Verträge waren längst in trockenen Tüchern.
Für die betroffenen Spieler ergibt sich daraus ein Dilemma:
- Gedraftet zu werden gilt als prestigeträchtig und symbolisiert offizielle Anerkennung.
- Ungedraftet zu bleiben kann jedoch finanziell lukrativer sein, da UDFAs oft höhere Garantiesummen erhalten als gedraftete Rookies.
Die NFL hat diese Praxis lange ignoriert, obwohl sie gegen ihre eigenen Regeln verstößt. Die Folge: Die Verstöße werden immer dreister, sodass sich Teams gezwungen fühlen, ebenfalls gegen die Regeln zu verstoßen – aus Wettbewerbsgründen. Kritiker fordern daher entweder eine konsequente Durchsetzung der Regeln oder die Abschaffung der umstrittenen Bestimmung.