In meiner Praxis habe ich kürzlich einer Frau Anfang 60 geholfen, das Antidepressivum Fluoxetin (bekannt unter dem Markennamen Prozac) abzusetzen, das sie über 35 Jahre eingenommen hatte. Anschließend folgte die Reduzierung von Bupropion (auch bekannt als Wellbutrin), das sie mehr als ein Jahrzehnt lang genommen hatte.
Doch die Initiative von Robert F. Kennedy Jr. verwechselt diesen legitimen medizinischen Bedarf mit unbelegten Behauptungen – einige davon sogar gefährlich. Während das kontrollierte Absetzen von Antidepressiva in bestimmten Fällen sinnvoll sein kann, sind Kennedys pauschale Aussagen über die generelle Schädlichkeit dieser Medikamente wissenschaftlich nicht haltbar.
Besonders problematisch ist seine pauschale Ablehnung von Antidepressiva, die auf einer selektiven Wahrnehmung von Studien und Einzelfällen basiert. Viele Patientinnen und Patienten profitieren seit Jahrzehnten von einer stabilen Medikation, die ihnen ein funktionierendes Leben ermöglicht. Ein abruptes oder unkontrolliertes Absetzen kann zu schweren Entzugserscheinungen oder Rückfällen führen.
Die Initiative ignoriert zudem die individuellen Unterschiede in der Wirkung von Antidepressiva. Nicht jede Person reagiert gleich auf ein Medikament, und die Entscheidung zum Absetzen sollte immer in enger Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen – nicht aufgrund politischer Kampagnen.
Es ist wichtig, zwischen berechtigter Kritik an Übermedikation und gefährlichen Verallgemeinerungen zu unterscheiden. Antidepressiva retten Leben, und ihr Nutzen überwiegt in vielen Fällen die Risiken – wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt werden.