Washington, D.C. – Der Senat hat am Mittwoch Kevin Warsh mit 54 zu 45 Stimmen als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve bestätigt. Die Bestätigung markiert die umstrittenste Ernennung in der modernen Geschichte der Zentralbank und stellt einen wichtigen Sieg für Präsident Donald Trump dar.
Warsh, 56, übernimmt die Führung von Jerome Powell, dessen Amtszeit am Freitag endet. Im Gegensatz zu Powell bleibt Powell jedoch bis 2028 als Mitglied des Direktoriums im Amt. Warsh selbst ist kein Neuling bei der Fed: Er gehörte dem Direktorium bereits von 2006 bis 2011 an und war damals mit 35 Jahren der jüngste Gouverneur in der Geschichte der Institution.
Die Bestätigung erfolgte fast ausschließlich entlang der Parteigrenzen. Lediglich der demokratische Senator John Fetterman aus Pennsylvania stimmte überraschend für Warsh. Die Ernennung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Fed mit mehreren Herausforderungen konfrontiert ist: Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert von 2 %, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Iran belasten die Märkte, und ein anstehender Supreme-Court-Fall könnte die Zukunft der Gouverneurin Lisa Cook beeinflussen.
Trump hatte sich wiederholt über Powells restriktive Geldpolitik beschwert und setzte sich für eine zinsfreundlichere Führung ein. Warsh wurde aus einem Kreis von fast einem Dutzend Kandidaten ausgewählt, darunter die amtierenden Gouverneure Christopher Waller und Michelle Bowman. Seine erste Sitzung als Fed-Chef ist für den 16. und 17. Juni angesetzt.
Bitcoin als zentrales Thema
Für die Krypto-Community ist Warshs Ernennung von besonderer Bedeutung. Er ist der erste Fed-Vorsitzende mit direkter Erfahrung im Kryptobereich. Warsh hält Anteile an Flashnet, einem Bitcoin-Zahlungsdienstleister, und ist mit dem Krypto-Indexfonds Bitwise sowie dem Stablecoin-Projekt Basis verbunden. In der Vergangenheit bezeichnete er Bitcoin als „wichtigen Vermögenswert“ und betonte dessen Rolle als „guter Kontrolleur“ der Geldpolitik. „Bitcoin bereitet mir keine Sorgen“, erklärte Warsh bei einer Veranstaltung der Hoover Institution. Er sieht in Bitcoin vielmehr ein Zeichen für die Glaubwürdigkeit der Fed in der Inflationsbekämpfung.
Morgen steht zudem die Abstimmung über den „Clarity Act“ an, ein Gesetzesentwurf, der die Regulierung von Bitcoin und digitalen Assets in den USA neu regeln soll. Der republikanische Abgeordnete French Hill lobte Warshs Ernennung und betonte, dessen „Verpflichtung zu einer disziplinierten Geldpolitik“ werde das Vertrauen in die Wirtschaft stärken.
Herausforderungen für Warsh
Trotz der Unterstützung durch Trump und Teile der Wirtschaft steht Warsh vor einer Reihe von Herausforderungen. Die jüngsten Inflationsdaten zeigen einen Anstieg der Preisdrucks in Pipelines auf den höchsten Stand seit über drei Jahren. Dies hat die Erwartungen an Zinssenkungen gedämpft und sogar Spekulationen über mögliche Zinserhöhungen im Laufe des Jahres genährt. Die Märkte haben ihre Wetten auf Zinssenkungen bereits reduziert.
Warsh muss nun eine Balance finden zwischen den Forderungen nach geldpolitischer Lockerung und der Notwendigkeit, die Inflation unter Kontrolle zu halten. Seine Haltung zu Bitcoin und digitalen Assets könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen, insbesondere vor dem Hintergrund des anstehenden „Clarity Act“.