Hunderte Anwohner aus Texas haben SpaceX verklagt, weil sie durch die häufigen Raketentests des Unternehmens Schäden an ihren Häusern erlitten haben. Die beiden Klagen, eingereicht in den Countys Cameron und McLennan, werden von denselben Anwälten vertreten. Sie werfen SpaceX vor, die Risiken der Starship-Starts nicht ausreichend bewertet und keine angemessenen Schutzmaßnahmen ergriffen zu haben.
Konkrete Schadensmeldungen der Hausbesitzer werden in den Klagen nicht genannt, doch die Anwälte verweisen auf Berichte, wonach Lärm, Vibrationen und Überschallknall die Dächer beschädigt, Fenster und Glastüren zersplittert sowie Risse in den Fundamenten verursacht haben. „Die Häuser knacken buchstäblich unter dem Druck, leiden unter Rissen in den Fundamenten, Setzungsunterschieden und beeinträchtigter struktureller Integrität“, heißt es in einer der Klagen.
Die Anwälte schreiben:
„Die Kläger sind unschuldige Anwohner, deren Häuser in der Umgebung des SpaceX-Startgeländes Starbase durch Lärm, Vibrationen und Überschallknalle wiederholt beschädigt werden.“
Seit ihrem ersten Flug im April 2023 hat die Starship-Rakete bereits elf Starts absolviert, wobei mehrere in der Luft explodierten oder zerbrachen. Der erste Start setzte den destruktiven Ton: Nicht nur explodierte die gesamte Rakete wenige Minuten nach dem Start, sondern das Startgelände wurde stark beschädigt. Experten kritisierten, dass SpaceX keine branchenüblichen Maßnahmen ergriffen hatte, um die enormen akustischen Kräfte der 33 Raptor-Triebwerke abzumildern. Ohne Schutzmechanismen für die 16 Millionen Pfund Schubkraft wurde die Betonplatte des Startplatzes zerstört.
Seitdem häufen sich Berichte über erschütterte Gebäude, verängstigte Anwohner und zersplitterte Fenster. Die Starship-Rakete erzeugt laut Klage „beispiellose Kraft und akustische Energie“ – doppelt so viel Schub wie die historische Saturn-V-Rakete der NASA oder das neue Space Launch System. Dennoch nutze SpaceX veraltete akustische Vorhersagemodelle, wie das Unternehmen selbst einräumt. „SpaceX fehlen die Daten, um die akustischen Auswirkungen der Starship-Starts präzise zu modellieren“, heißt es in den Klagen.
„Dieser akustische und seismische Beschuss ist keine gelegentliche Unannehmlichkeit, sondern eine tägliche Dauerbelastung“, so die Anwälte. Statt kurzer Zündvorgänge würden oft lange Brennphasen durchgeführt – teilweise bis zu sechs Minuten ununterbrochen. Dadurch seien die umliegenden Gebäude über längere Zeiträume extremen akustischen und seismischen Belastungen ausgesetzt.
Die Klagen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt für SpaceX, das sich auf einen historischen Börsengang vorbereitet, der mit einer Billionen-Dollar-Bewertung erwartet wird. Gleichzeitig steht das Unternehmen unter Zeitdruck, die Starship-Rakete für die NASA-Mission Artemis IV bis spätestens 2028 perfekt zu machen – eine Mission, die Astronauten auf den Mond bringen soll.