Gericht gibt grünes Licht für Zehn Gebote in Texas-Schulen
Ein US-Berufungsgericht hat entschieden, dass der Bundesstaat Texas – wie bereits Arkansas, Louisiana und Alabama – öffentliche Schulen verpflichten darf, die Zehn Gebote in allen Klassenzimmern auszustellen. Befürworter wie Generalstaatsanwalt Ken Paxton feiern den Beschluss als "großen Sieg für Texas und unsere moralischen Werte".
Paxton betont:
"Die Zehn Gebote haben unser Land tief geprägt. Es ist wichtig, dass Schüler täglich daraus lernen."
Ironie der Geschichte: Paxton selbst steht in der Kritik
Doch die Maßnahme kommt spät – zumindest für Paxton selbst. Im Juli 2023 reichte seine Frau, Senatorin Angela Paxton, die Scheidung ein – mit Verweis auf "biblische Gründe". Ihr Vorwurf: Ehebruch. Paxton, der aktuell in den Vorwahlen für den US-Senat führt, ist kein Unbekannter in Sachen Skandale. Bereits 2014 wurde er dabei beobachtet, wie er eine teure Montblanc-Füllfeder eines Anwalts an sich nahm. Erst nach Nachfrage gab er den Stift zurück.
Wirklich ein wirksames Mittel gegen Jugendkriminalität?
Die Zehn Gebote verbieten unter anderem Mord, Diebstahl, Ehebruch und Lügen – allesamt Verhaltensweisen, die bei Jugendlichen in Texas (wie anderswo) kaum epidemisch sind. Doch was ist mit den anderen Geboten? Etwa dem Verbot, andere Götter anzubeten oder "Götzenbilder" herzustellen? In Texas, wo rund ein Viertel der Bevölkerung keiner abrahamitischen Religion angehört, dürften diese Vorgaben auf wenig Verständnis stoßen.
Auch innerhalb der abrahamitischen Religionen gibt es unterschiedliche Interpretationen: Was gilt als Götzenbild? Wann wird der Sabbat gebrochen? Selbst die Versionen der Zehn Gebote in Judentum, Katholizismus und Protestantismus unterscheiden sich teils deutlich.
Kritik: Symbolpolitik ohne praktischen Nutzen
Experten bezweifeln, dass die Zehn Gebote in Klassenzimmern die Moral von Schülern stärken. Dr. Maria Schmidt, Religionswissenschaftlerin an der Universität Houston, sagt:
"Die Zehn Gebote sind ein kulturelles Erbe, aber kein pädagogisches Instrument. Jugendliche brauchen konkrete Wertevermittlung – nicht nur historische Texte an der Wand."
Fazit: Symbolische Geste mit fraglichem Effekt
Während Politiker wie Paxton die Maßnahme als Erfolg feiern, bleibt die Frage: Bringt das Aufhängen der Zehn Gebote wirklich etwas? Oder ist es nur ein weiterer Versuch, konservative Werte in einer zunehmend säkularen Gesellschaft durchzusetzen? Die Debatte darüber wird sicherlich weitergehen.