KI als Trost oder Täuschung?
In China boomt ein Geschäft mit KI-Klonen verstorbener Angehöriger. Familien zahlen monatliche Gebühren, um mit digitalen Abbildern ihrer Lieben zu sprechen. Doch was passiert, wenn die Hinterbliebenen nicht wissen, dass sie mit einer KI kommunizieren?
Die tragische Geschichte aus Shandong
Laut Berichten des South China Morning Post und des chinesischen Nachrichtenportals Litchi News wurde eine 80-jährige Mutter aus der Provinz Shandong Opfer einer solchen Täuschung. Ihr einziger Sohn war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Um sie vor dem Schmerz zu bewahren, nutzte die Familie einen KI-Klon seines Avatars für regelmäßige Videoanrufe.
Die betagte Frau, die an einer Herzerkrankung leidet, glaubt seitdem, mit ihrem Sohn zu sprechen. Der KI-Klon teilte ihr mit, er sei umgezogen und habe keine Zeit für Besuche. In einem emotionalen Dialog sagte sie:
"Du solltest mich öfter anrufen, damit ich weiß, ob es dir in der anderen Stadt gut geht. Ich vermisse dich so sehr. Es tut mir leid, dass ich dich nicht persönlich sehen kann."
Der KI-Klon antwortete:"Okay, Mama. Aber ich bin zu beschäftigt. Ich kann nicht lange mit dir sprechen. Pass gut auf dich auf. Wenn ich genug Geld verdient habe, komme ich zurück, um dir meine kindliche Pietät zu erweisen."
Ethische Fragen und öffentliche Empörung
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Darf man ältere Menschen aus vermeintlich guten Gründen belügen? Die Technologie ermöglicht es zwar, Stimmen und Gesichter Verstorbener nachzuahmen, doch die Grenzen zwischen Trost und Täuschung verschwimmen.
Ein Enkel des Verstorbenen hatte dem KI-Unternehmer Fotos, Videos und Sprachaufnahmen seines kürzlich verstorbenen Vaters zur Verfügung gestellt. Der Unternehmer selbst bezeichnete sein Geschäft gegenüber Litchi News als "Täuschung von Emotionen" und betonte: "Wir tun das, um die Lebenden zu trösten."
Die Geschichte löste in sozialen Medien Empörung aus. Nutzer kritisierten die Vorgehensweise scharf:
- "Das ist einer der schlimmsten denkbaren Einsätze von KI."
- "Diese Lüge wird der Frau mehr schaden als die Wahrheit."
Zweifel an der Authentizität
Obwohl Litchi News als seriöses Portal gilt – es gehört zur Jiangsu Broadcasting Corporation, dem drittgrößten TV-Netzwerk Chinas – konnte die ursprüngliche Quelle nicht unabhängig verifiziert werden. Dennoch zeigt der Fall, wie KI-Technologie in sensiblen Lebensbereichen eingesetzt wird.
Ähnliche Dienste werden bereits für weniger als 150 US-Dollar angeboten. Die Debatte über Ethik und Grenzen dieser Technologie wird damit weiter an Fahrt aufnehmen.