Ein riskantes Experiment auf dem "Todesweg"
Vor genau 20 Jahren präsentierte Land Rover den Range Rover Sport – und damit auch den Tag, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben ernsthaft um mein Leben fürchtete. Nicht die Straße selbst war das Problem, sondern die bewaffneten Kokabauern, die uns den Weg versperrten.
Die Vorbereitung: Höhenangst und logistische Herausforderungen
Die Mission: Ein Prototyp des neuen Range Rover Sport sollte auf Boliviens berüchtigtem Camino del Muerte (Todesweg) getestet werden. Die Route führt von La Paz auf 12.000 Fuß Höhe durch dichte Regenwälder und über steile Abhänge – ohne Leitplanken, mit Erdrutschen und einer extrem hohen Unfallrate.
Nach der Landung in La Paz traf ich mein Team: Hugo Berrios, ein lokaler Bergführer und Notarzt, Rickard Beckman, ehemaliger Abenteurer der G4 Challenge, und Paul Dubock, Land Rover-Techniker. Unser Konvoi bestand aus einem silbernen Range Rover Sport und einem knallorangen Ex-G4 Defender als Begleitfahrzeug – das sich später als Lebensretter erweisen sollte.
Die tödliche Statistik des Todeswegs
Bevor es losging, warnte mich Captain Henard Romero von der Polizei:
"In acht Jahren habe ich etwa 30 Unfälle mit rund 250 Beteiligten bearbeitet. Davon konnten wir etwa 100 retten. Die hohe Todesrate liegt vor allem an überladenen LKWs und Bussen. 2002 stürzten vier Busse in die Tiefe."
Gefahr aus unerwarteter Richtung: Die Kokabauern-Blockade
Zu dieser Zeit war eine neue Straße im Bau, die den Todesweg entlasten sollte. Doch sie war noch nicht fertig – also blieb uns keine Wahl. Das Problem: In der Region um Chamac hatten sich Kokabauern versammelt, um gegen die Drogenbekämpfung der US-Behörden zu protestieren. Walter Espejo und seine Mitstreiter hatten die Straße mit Bäumen und Fahrzeugen blockiert.
Als wir eintrafen, versuchten wir vergeblich, Espejo zur Weiterfahrt zu überreden. Eine aufgebrachte Menge mit Macheten und selbstgebranntem Schnaps umringte uns. Wir zogen uns zurück – doch die Suche nach einer Alternative begann.
Die Rettung in letzter Sekunde
Unser Umweg führte uns über unwegsames Gelände, durch Schlamm und Regenwald. Doch die Gefahr war noch nicht vorbei. Der orange Defender, ursprünglich als reines Begleitfahrzeug gedacht, bewies seinen Wert: Er zog uns aus einer kritischen Situation und brachte uns sicher durch das unwegsame Terrain.
Diese 20 Jahre alte Erfahrung bleibt unvergessen – nicht wegen der Straße, sondern wegen der Menschen, die uns in Lebensgefahr brachten. Eine Lektion in Demut, Planung und der Bedeutung eines zuverlässigen Fahrzeugs.