Visa hat sein Pilotprojekt für Stablecoin-basierte Zahlungsabwicklungen auf neun Blockchains ausgeweitet und erreicht ein jährliches Transaktionsvolumen von 7 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen gab am 29. April bekannt, dass die neuen Netzwerke Arc, Base, Canton, Polygon und Tempo hinzugefügt wurden. Bereits unterstützt wurden Avalanche, Ethereum, Solana und Stellar.
Der jährliche Abwicklungsdurchsatz stieg damit um 50 % im Vergleich zum Vorquartal. Obwohl das Pilotprojekt noch in einer frühen Phase bleibt, zeigt die Entwicklung, wo die Zukunft der Zahlungsabwicklung liegen könnte. Stablecoins dringen in den unsichtbaren Teil der Zahlungsinfrastruktur vor – die Abwicklungsebene, die den Werttransfer zwischen Banken, Händlern und Finanzdienstleistern nach einer Transaktionsautorisierung ermöglicht.
Dieser Schritt signalisiert mehr als nur die Unterstützung weiterer Blockchains. Visa testet, ob Stablecoins als parallele Abwicklungsoption in bestehende Zahlungssysteme integriert werden können, die bereits Banken, Kartensysteme und Händler weltweit verbinden. Die Krypto-Adoption findet damit zunächst im Hintergrund statt, bevor sie für Verbraucher sichtbar wird.
Visa arbeitet seit Jahren an der Integration von Stablecoins
Bereits 2023 hatte Visa Millionen von USDC zwischen Partnern über Solana und Ethereum transferiert, um Fiat-basierte VisaNet-Zahlungen abzuwickeln. Diese Ankündigung folgte auf ein Pilotprojekt mit Crypto.com und erweiterte die Abwicklungsmöglichkeiten auf Händler-Akquisiteure wie Worldpay und Nuvei.
Ein zentrales Problem im Kartenzahlungsverkehr ist die Verzögerung zwischen der sofortigen Autorisierung an der Kasse und der tatsächlichen Geldbewegung zwischen der Bank des Kartenausstellers und der Bank des Händlers. Visa’s Treasury- und Abwicklungssysteme übernehmen diesen Prozess und ermöglichen den Werttransfer über Währungen und Institutionen hinweg.
Im Dezember 2025 erhielten US-amerikanische Partner von Visa und Akquisiteure die Möglichkeit, in USDC abzurechnen. Banken wie Cross River Bank und Lead Bank nutzten zunächst Solana für schnellere Geldbewegungen, eine sieben Tage verfügbare Abwicklung und höhere Resilienz an Wochenenden und Feiertagen.
Stablecoins als Teil eines globalen Zahlungsmodells
Die aktuelle Erweiterung der Blockchain-Unterstützung ist eng mit Visa’s Stablecoin-Kartensystemen verknüpft. Das Unternehmen gab bekannt, dass bereits über 130 Kartensysteme in mehr als 50 Ländern Stablecoins nutzen. Damit wird die Neun-Blockchain-Strategie zu einem integralen Bestandteil eines globalen Zahlungsmodells – nicht nur ein Experiment mit Ledgern.
Der neue Abwicklungsdurchsatz von 7 Milliarden US-Dollar jährlich unterstreicht die wachsende Bedeutung von Stablecoins in der traditionellen Finanzinfrastruktur. Während Verbraucher die Veränderungen noch nicht direkt sehen, findet ein Wettstreit um die Zukunft der Geldbewegung bereits statt.
Fazit: Krypto-Adoption beginnt im Hintergrund
Visa’s Pilotprojekt bleibt vorerst begrenzt: Das Unternehmen veröffentlichte keine Details zu den genauen Transaktionsvolumina pro Blockchain, Stablecoin oder Region. Dennoch zeigt die Entwicklung, dass Stablecoins als optionale Abwicklungswege in bestehende Systeme integriert werden – während traditionelle Methoden weiterhin bestehen bleiben.
Die Frage ist nicht mehr, ob Stablecoins die Zahlungsabwicklung revolutionieren, sondern wie schnell sie in den globalen Finanzkreislauf integriert werden. Visa’s schrittweise Erweiterung deutet darauf hin, dass die Antwort bald klarer wird.