Die Serie Widow’s Bay ist schwer einzuordnen – und das ist ein großes Kompliment. Sie vereint Elemente aus Workplace-Comedy, Horror-Klischees und einer Hommage an Gemeinschaft und Wahlfamilie. Mit zehn Folgen überzeugt die erste Staffel durch beunruhigende Gruseleffekte, scharfen Witz und eine Besetzung farbenfroher, eigenwilliger Charaktere, die genauso komplex und fesselnd sind wie die Protagonisten anderer Apple-TV+-Serien.
Die Handlung spielt in der malerischen Küstenstadt Widow’s Bay, einer abgelegenen Insel vor der Küste Neuenglands. Das idyllische Städtchen wirkt wie aus einem Werbebild – ohne WLAN und Mobilfunkempfang, ein Traum für alle, die dem Trubel entfliehen wollen. Doch hinter der Fassade lauern dunkle Geheimnisse: Stürme, mysteriöse Schiffsunglücke und Gerüchte über Hexerei, Kannibalismus und sogar einen von einem Wal gefressenen Priester, wie alte Zeitungsausschnitte im lokalen Museum belegen.
Tom Loftis (Matthew Rhys), der gutmeinende, aber etwas naive Bürgermeister, träumt davon, Widow’s Bay zum nächsten Touristenmagneten im Nordosten zu machen – unterstützt von einer Reporterin der New York Times. Doch das Schicksal hat andere Pläne: Die Insel erwacht auf unheimliche Weise zum Leben, und die übernatürlichen Bedrohungen nehmen zu. Mit Hilfe des abergläubischen Außenseiters Wyck (Stephen Root) muss Tom sich den düsteren Seiten der Stadt stellen, in denen Aberglaube und Geistergeschichten mehr Gewicht haben als Logik und Fakten.
Regisseur Hiro Murai schafft eine lebendige, detailreiche Welt, die voller visueller Anspielungen auf klassische Horror-Klischees steckt – von einer Der-Weiße-Hai-ähnlichen Fluchtszene bis zu einem maskierten Killer, der im Stil von Halloween durch eine leere Gasse schleicht. Schöpferin Katie Dippold setzt auf humorvolle Dialoge, die oft zum Lachen bringen, doch ihre Geschichte zwingt die Charaktere ebenso, sich ihren inneren Dämonen zu stellen wie äußeren Bedrohungen.
Die Serie nimmt den Horror ernst: Es gibt echte Schockmomente, blutige Szenen und eine beachtliche Portion Gore. Doch anders als viele andere Produktionen setzt Widow’s Bay nicht auf billige Lacher, wenn es um die übernatürlichen Elemente geht. Stattdessen feiert sie die Eigenheiten ihrer Charaktere und die absurden Situationen, in die sie geraten – ohne jemals verletzend zu wirken. Am Ende ist Widow’s Bay mehr als nur eine Horror-Comedy: Es ist eine Liebeserklärung an die Kraft der Gemeinschaft und die Magie des Unerklärlichen.