Comedian Jeff Ross zählt zu den größten Bewunderern des Roastings – und er ist nicht allein. Netflix hat mit seiner Comedy-Abteilung Stand-up-Specials wieder in den Mainstream gebracht. Doch der Streamingriese geht mit dem Format zunehmend verschwenderisch um. Ein aktuelles Beispiel: „The Roast of Kevin Hart“, das mit einer Länge von drei Stunden alles andere als unterhaltsam war.

Wer litt mehr unter dieser Überproduktion? Ross selbst, der als Autor und Produzent die Tradition des Roastings aus vergangenen Tagen kannte und nun mitansehen musste, wie das Format in einem Wirrwarr aus peinlichen Einspielern und gezwungenen Reaktionen unterging? Oder das Publikum, das sich durch Pete Davidsons gequältes Lächeln und Chelsea Handlers offensichtliche Langeweile kämpfen musste? Selbst Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix, schien das Spektakel verlassen zu haben – zumindest tauchte er nicht mehr auf.

Doch wie konnte ein einst so unterhaltsames Comedy-Format so schnell an Qualität verlieren? Netflix stieg 2019 mit der Serie „Historical Roasts“ in das Roasting-Geschäft ein. Ross moderierte dabei fiktive Roasts historischer Figuren wie Abraham Lincoln oder Anne Frank – ein Konzept, das weder originell noch lustig war. 2024 kehrte Netflix mit einem Paukenschlag zurück: „The Roast of Tom Brady“, beworben als „das größte Roast aller Zeiten“, sollte an Bradys Status als NFL-Legende anknüpfen. Moderiert von Kevin Hart, traten Stars wie Will Ferrell und Ben Affleck auf. Nikki Glaser glänzte in einer Rolle, die ihr später die Moderation der Golden Globes 2025 und 2026 einbrachte – sie verzichtete jedoch klugerweise auf eine Teilnahme an Hart’s Roast.

Trotz der übertriebenen Inszenierung im Kia Forum mit 18.000 Plätzen – ein Albtraum für jeden Comedian – funktionierte Bradys Roast überraschend gut. Warum? Weil echte Comedians wie Ross, Hart und Glaser die Moderation übernahmen. Noch entscheidender: Brady selbst wirkte so unbeholfen und unwohl, dass es komisch war. Es wurde zu einem Spektakel, das funktionierte. Ähnlich wie bei den legendären „Dean Martin Celebrity Roasts“ der 1970er-Jahre, als Größen wie Don Rickles oder Jonathan Winters Ronald Reagan auf die Schippe nahmen – Comedy in Reinform.

Die Roast-Tradition reicht bis in die 1960er-Jahre zurück, als das Friars Club in Los Angeles solche Veranstaltungen populär machte. Mein eigener Vater besaß eine bootleg-Aufnahme eines Rickles-Roasts aus dem Jahr 1967 – eine rare Gelegenheit, in die innersten Kreise der Comedy-Elite einzutauchen. Von 1968 bis 1971 wurden die Roasts im Fernsehen übertragen, bevor Dean Martin ab 1974 eine eigene Serie startete, die ein Jahrzehnt lang lief.

Doch heute scheint Netflix die Kunst des Roastings zu verfehlen. Statt scharfer Pointen und spontaner Witze dominieren überlange Shows und inszenierte Effekte. Die Frage bleibt: Wann wird aus einem einstigen Kultformat wieder echte Comedy?

Quelle: The Wrap