Vor einigen Jahren berichtete ich über die Zunahme von KI-generierten Inhalten auf Facebook, die als "AI Slop" bezeichnet werden. Damals bat ich Freunde und Familie, mir Beispiele zu schicken, falls sie solche Inhalte in ihren Timelines entdeckten. Einige sandten mir offensichtlich KI-generierte Bilder – etwa surrealistische Sci-Fi-Landschaften, den berüchtigten "Shrimp Jesus" oder bettelnde Kinder mit manipulativen Gesichtern. Doch einige der erhaltenen Bilder waren menschengemacht. Dennoch hatten meine Freunde sie sofort als KI eingestuft. Ihr Misstrauen war so groß, dass sie selbst authentische Kunstwerke und Fotos vorsichtshalber als KI abtaten, um nicht getäuscht zu werden.
Heute ist das Internet ein einziger KI-Dschungel. Jeder Klick, jedes Scrollen konfrontiert uns mit gefälschten und echten Inhalten – und wir können kaum noch unterscheiden, was echt und was manipuliert ist. Während viel über die psychischen Folgen von "KI-Psychosen" diskutiert wird, bleibt eine andere Frage oft unbeantwortet: Wie sehr belastet uns die KI-Nutzung anderer kognitiv? Wie navigieren wir durch eine Welt, in der faul generierte KI-Inhalte überall eingedrungen sind?
Unser Gehirn führt täglich unzählige Berechnungen durch: Ist das KI? Spielt es eine Rolle, ob es KI ist? Warum wirkt das so seltsam? Schreibt diese Person wirklich so? Ist das überhaupt eine Person? Wir erwarten KI-Inhalte an bestimmten Stellen – etwa in Googles "KI-Zusammenfassungen", die uns einst rieten, Klebepizza zu essen, oder in den Engagement-Bait-Posts auf LinkedIn. Doch mittlerweile haben wir das Gefühl, dass KI überall lauert, unaufhaltsam und allgegenwärtig.
Es geht nicht darum, dass ich KI-generierte Inhalte grundsätzlich ablehne oder Angst habe, getäuscht zu werden. Vielmehr hat sich etwas in mir verändert: Mein Gehirn ist zum KI-Polizisten geworden. Plötzlich wirkt alles unheimlich. Ich lese, höre oder schaue etwas und plötzlich bemerke ich, dass etwas nicht stimmt. Ein Beispiel: Letzte Woche hörte ich eine Folge des Podcasts Everyone’s Talkin’ Money, den ich seit Jahren gelegentlich verfolge. Der Podcast handelt von Steuern und wird von der Moderatorin Shari Rash moderiert. In der aktuellen Folge begann Rash mit einem vorbereiteten Text:
"Der Wandel, den ich heute von dir erwarte – und der alles verändert – ist, deine Steuererklärung nicht mehr als Rechnung oder Schamabzeichen zu sehen, sondern als reine Information."Der Text klang wie aus einem KI-Handbuch: klischeehaft, repetitiv und ohne echte menschliche Nuancen. Mein Gehirn schaltete ab. Statt dem Inhalt zu folgen, fragte ich mich: Nutzt Shari Rash hier KI? Und wenn ja, warum? Wenn nein – warum wirkt es dann so?
Die ständige Auseinandersetzung mit KI-Inhalten führt zu einer neuen Form der Erschöpfung. Wir müssen nicht nur zwischen Fakt und Fiktion unterscheiden, sondern auch zwischen menschlicher und maschineller Kreativität. Die Grenze verschwimmt – und das macht uns unsicher. Die Frage ist nicht mehr, ob wir KI nutzen wollen, sondern wie wir in einer Welt leben, in der KI längst jeden Aspekt unseres digitalen Lebens durchdrungen hat.