Yong Wang, Assistenzprofessor für Informatik und Datenwissenschaft an der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur, wurde kürzlich mit dem Significant New Researcher Award 2025 des IEEE Computer Society ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt seine bahnbrechenden Arbeiten in der Datenvisualisierung und deren Schnittstellen zu Mensch-Maschine-Interaktion und KI-Kollaboration.

Wang wuchs in einem kleinen Dorf in der Provinz Hunan auf, wo Technologie ein seltenes Gut war. Seine Eltern, beide in der Landwirtschaft tätig, unterstützten ihn trotz fehlender formaler Bildung nachdrücklich in seiner akademischen Laufbahn. „Meine Eltern haben nie studiert, aber sie haben mir immer geholfen, meinen Weg zu gehen“, sagt Wang.

Sein Interesse an Technik wurde früh geweckt – nicht durch praktische Erfahrung, sondern durch Fernsehsendungen. „Ich hatte nie einen Laptop oder elektronische Geräte angefasst, aber die Technologien, die ich im Fernsehen sah, faszinierten mich“, erinnert er sich. Ein prägendes Erlebnis war der kaputte Fernseher seiner Familie, der durch stundenlanges Spielen an einer einfachen Konsole „verbrannt“ wurde. „Damals war ein Fernseher ein wertvolles Gut“, erzählt er schmunzelnd.

Vom Dorf zur Elite-Uni

Trotz der bescheidenen Verhältnisse in seiner Heimat entschloss sich Wang, Robotik und Informatik zu studieren – ein ungewöhnlicher Weg für jemanden aus seinem Umfeld. Seine Eltern hätten sich eine praktische Laufbahn wie Medizin oder Bauingenieurwesen gewünscht, doch Wang folgte seiner Leidenschaft. „Ich verstand damals nicht genau, was Informatik bedeutet, aber was ich im Fernsehen sah, wirkte auf mich wie die Zukunft“, erklärt er.

Sein Studium begann am Harbin Institute of Technology, einer der renommiertesten technischen Universitäten Chinas. Dort spezialisierte er sich auf Automatisierungstechnik, ein Fachgebiet, das Elektrotechnik, Robotik und Steuerungssysteme vereint. Diese Kombination prägte seinen späteren Fokus auf Datenvisualisierung als Brücke zwischen komplexen Algorithmen und menschlichem Verständnis.

Datenvisualisierung als Schlüssel zur KI

Wang forscht heute daran, wie Visualisierungstechniken KI-Systeme für Laien zugänglich machen können. „Gut gestaltete Tools helfen Menschen, komplexe Ideen zu begreifen“, betont er. „Wenn wir Informationen verständlich darstellen, können mehr Menschen an Wissenschaft und Innovation teilhaben – das ist die wahre Stärke der Visualisierung.“

Als IEEE-Mitglied und Associate Editor der IEEE Transactions on Visualization and Computer Graphics treibt er diese Vision voran. Seine Arbeit verbindet theoretische Grundlagen mit praktischen Anwendungen, etwa in der medizinischen Diagnostik oder der industriellen Datenanalyse.

„Die Welt produziert mehr Daten, als Menschen verarbeiten können“, sagt Wang. „Hier setzt meine Forschung an: Wir brauchen Schnittstellen, die Wissen nicht nur speichern, sondern auch vermitteln.“

Ein Vorbild für ländliche Talente

Wang sieht seine Auszeichnung nicht nur als persönlichen Erfolg, sondern als Inspiration für junge Menschen aus ähnlichen Verhältnissen. „Ich möchte zeigen, dass Herkunft kein Hindernis sein muss“, erklärt er. „Mit Neugier und Unterstützung kann jeder seinen Weg finden – egal, wo er beginnt.“