In dem irischen Horrorfilm „Hokum“ von Damian McCarthy spielt Adam Scott einen der vielseitigsten Everyman-Charaktere seiner Karriere. Der Film beginnt mit einer provokanten Szene: Der amerikanische Autor Ohm Bauman (Scott) verliert die Geduld mit dem Hotelpersonal und drückt einem bellenden Mitarbeiter einen heißen Löffel in die Hand – mit der zynischen Bemerkung: „Du brauchst eine dickere Haut, wenn du als Schriftsteller durchkommen willst.“

Doch trotz dieser und anderer absurder Dialoge gelingt es Scott, den Zuschauer in seinen ambivalenten Protagonisten zu ziehen. Ohm ist kein klassischer Held. Er ist ein traumatisierter, sarkastischer Schriftsteller, der in das Bilberry Woods Hotel in den irischen Wäldern reist, um die Asche seiner Eltern zu verstreuen. Die Reise wird für ihn zu einer Reise in die Vergangenheit – und in die irische Folklore.

Der Film spielt größtenteils in dem abgelegenen Hotel, in dem auch Ohms Eltern ihre Flitterwochen verbrachten. Doch statt Trost findet er dort nur weitere Albträume: einen gruseligen Besitzer, einen rauen Gärtner, eine aufdringliche Angestellte – und schließlich eine ganze Reihe übernatürlicher Phänomene. Nach zwei schockierenden Ereignissen (die wir hier nicht verraten) beschließt Ohm, das verriegelte Honeymoon-Suite zu erkunden. Dort stößt er auf Geister, Hexen und eine Kreatur namens Jack the Jackass – ein Albtraumwesen, das die Grenzen zwischen Realität und Aberglauben verschwimmen lässt.

Als Außenstehender verkörpert Ohm die Ängste des Publikums. Er ist derjenige, der uns zeigt, wie wir auf das Unerklärliche reagieren sollen. Doch genau hier liegt das Problem: Ohms Entscheidungen sind oft irrational, selbst für einen Horrorfilm. Warum geht er zurück ins Hotel, obwohl die Einheimischen vor den „seltsamen Dingen“ warnen? Warum vertraut er plötzlich einer Gruppe von Fremden? Trotz dieser Logiklücken gelingt es Scott, den Charakter so authentisch wirken zu lassen, dass man ihm folgt – weil er eben ein Everyman ist: ein Mann mit Fehlern, Ängsten und einer tragischen Vergangenheit.

Scotts Karriere begann in den 90ern mit der Sitcom Boy Meets World, wo er den Tyrannen Griff Hawkins spielte. Danach folgten Jahre in Nebenrollen, meist als arrogante oder oberflächliche Figuren. Erst 2009/2010 änderte sich das mit Party Down und Parks and Recreation, wo er komplexe Charaktere wie den gescheiterten Schauspieler Henry Pollard oder den exzentrischen Politiker Ben Wyatt verkörperte. Diese Rollen nutzten seine Fähigkeit, Tragik und Komik zu verbinden – eine Qualität, die er nun in „Hokum“ perfektioniert.

Fazit: „Hokum“ ist kein perfekter Film. Die Dialoge sind oft holprig, die Logik manchmal fragwürdig. Doch Adam Scotts Performance rettet den Film. Er macht Ohm zu einer Figur, die man trotz aller Schwächen versteht – und für die man sich interessiert. Wer einen Horrorfilm mit irischem Flair, düsterer Atmosphäre und einem Schauspieler sucht, der auch in absurden Szenen überzeugt, sollte sich „Hokum“ ansehen.