Die Pollensaison beginnt früher, dauert länger und wird intensiver – das ist keine Einbildung, sondern eine Folge des Klimawandels. Wissenschaftler und Mediziner bestätigen: Die steigenden Temperaturen verändern die Pollenproduktion und -verbreitung grundlegend.

Mehr Pollen, längere Saison: Was die Forschung zeigt

„Wir wissen, dass der Klimawandel zu höheren Pollenkonzentrationen in der Atmosphäre führt“, erklärt Paul Beggs, Umweltgesundheitswissenschaftler und Professor an der Macquarie University in Sydney. In einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2024 analysierte er den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Asthma. „Nicht nur die Menge des Pollens nimmt zu – auch die Pollenarten und die Dauer der Pollensaison verändern sich.“

Die AccuWeather-Prognose für 2026 bestätigt diesen Trend: In vielen Regionen der USA wird es in diesem Jahr mehr Tage mit hoher Pollenbelastung geben. Verantwortlich dafür sind unter anderem häufigere Stürme und starke Temperaturschwankungen.

„Die Daten sind eindeutig, und Millionen von Allergikern spüren die Veränderungen bereits“, sagt Brett Anderson, Klimaforscher und leitender Meteorologe bei AccuWeather. „Die Pollensaison in den USA dehnt sich sowohl nach vorne als auch nach hinten aus.“

Allergien beginnen früher und enden später

Dr. Rebecca Saff, Allergologin am Massachusetts General Hospital in Boston, beobachtet seit Jahren, dass Allergiesaisons nicht mehr nur auf Frühling und Herbst beschränkt sind. „Durch wärmere Winter und frühere Frühjahre starten die Pollenflugzeiten immer früher und ziehen sich länger hin.“

Eine Studie aus dem Jahr 2022 im Fachmagazin Nature prognostiziert sogar, dass die Pollensaison bis zum Ende des Jahrhunderts 40 Tage früher beginnen und 15 Tage später enden wird. „Spätere Fröste bedeuten, dass die Allergiesaison in vielen Regionen länger anhält“, erklärt Anderson. „Wenn Wärme und Feuchtigkeit zusammenkommen, produzieren Bäume, Gräser und Unkräuter häufiger und in größeren Mengen Pollen.“

Neue Allergene durch Pflanzenwanderung

Die steigenden Temperaturen begünstigen zudem die Ausbreitung bestimmter Pflanzenarten nach Norden. Ein Beispiel ist das Beifußambrosie, das bisher vor allem im Süden der USA vorkam. „Durch die Erwärmung breitet sich Ragweed nun auch in Regionen aus, in denen es bisher nicht heimisch war – etwa im Nordosten“, so Saff. Für Allergiker bedeutet das: neue, bisher unbekannte Allergene.

Extreme Allergie-Ereignisse nehmen zu

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigt, dass die vergangenen elf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Diese Erwärmung führt zu extremen Pollenflug-Ereignissen, die immer häufiger auftreten. Die BBC berichtete kürzlich über alarmierende Entwicklungen: Immer mehr Menschen leiden unter starken allergischen Reaktionen, die über das übliche Maß hinausgehen.

Laut den Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) haben heute bereits 30 % der US-Bürger über 18 Jahren saisonale Allergien. Durch den Klimawandel könnten sich diese Symptome – tränende Augen, Niesen und Husten – weiter verschlimmern und länger anhalten.

Was Allergiker jetzt tun können

  • Pollenflug-Tracker nutzen: Apps wie „Pollenflug-App“ oder „AccuWeather“ zeigen aktuelle Belastungen an und helfen, Hochrisikozeiten zu meiden.
  • Schutzmaßnahmen im Alltag: Lüften Sie nur früh morgens oder spät abends, wenn die Pollenkonzentration niedrig ist. Nutzen Sie Luftreiniger mit HEPA-Filter und waschen Sie Kleidung nach dem Aufenthalt im Freien.
  • Medikamente anpassen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Anpassungen Ihrer Therapie, besonders wenn sich Ihre Symptome verschlimmern.
  • Ernährung anpassen: Bestimmte Lebensmittel können Kreuzallergien verstärken. Bei Birkenpollenallergie zum Beispiel sollten Sie Äpfel oder Nüsse meiden.
  • Langfristige Strategien: Unterstützen Sie Klimaschutzmaßnahmen, um die weitere Erwärmung zu bremsen – denn das ist die beste Vorsorge gegen immer schlimmere Allergiesaisons.

„Die Veränderungen sind real, und sie betreffen uns alle. Wer heute handelt, kann die Symptome lindern – und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“
Dr. Rebecca Saff, Allergologin

Die Prognosen sind besorgniserregend, aber nicht hoffnungslos. Mit gezielten Maßnahmen können Allergiker ihre Lebensqualität verbessern – und die Wissenschaft arbeitet daran, noch genauere Vorhersagen zu entwickeln.