Die Amerikaner zahlen immer mehr für ihre Lebensmittel. Doch die hohen Spritpreise, ausgelöst durch den Krieg im Iran, sind nur ein Grund dafür. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stiegen die Preise für Lebensmittel zum Verzehr zu Hause im April um 2,9 % im Vergleich zum Vorjahr – der höchste Anstieg seit August 2023.
Auch Restaurantpreise und Fertiggerichte wurden teurer. Insgesamt lagen die Lebensmittelpreise in den USA im letzten Jahr um 3,2 % höher, wie der Verbraucherpreisindex des Arbeitsministeriums zeigt.
Der Krieg im Iran hat die Spritpreise in die Höhe getrieben. Da die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz, eine wichtige Route für den globalen Öltransport, behindert wird, steigen die Kosten für Dieselkraftstoff. Dieser treibt nicht nur LKWs an, sondern auch Fischereiboote, Traktoren und die Fahrzeuge, die 83 % der US-Landwirtschaftsprodukte transportieren. Laut AAA lag der durchschnittliche Spritpreis pro Gallone am Dienstag 61 % höher als vor einem Jahr.
Kleinere Lebensmittelhändler wie das Sparrow Market in Ann Arbor, Michigan, spüren die Folgen bereits. Lieferanten erheben seit Wochen zusätzliche Spritkosten-Zuschläge. Auch Großhandelspreise für Fleisch, Obst und Trockenware sind gestiegen, wie Inhaber Raymond Campise berichtet. „Für unabhängige Märkte mit schmalen Margen können selbst kleine Preiserhöhungen schwerwiegende Folgen haben“, so Campise.
Verzögerte Auswirkungen auf Supermarktpreise
Experten der Purdue University, Ken Foster und Bernhard Dalheimer, warnen davor, dass die vollen Auswirkungen der gestiegenen Energiekosten auf die Lebensmittelpreise noch nicht sichtbar sind. Höhere Produktions-, Lager- und Transportkosten wirken sich erst mit Verzögerung auf die Regale aus – oft erst nach drei bis sechs Monaten. „Was wir jetzt sehen, stammt wahrscheinlich noch aus der Zeit vor dem aktuellen Konflikt“, erklärt Foster, Professor für Agrarökonomie. „Wir beobachten gespannt, wie sich die Zahlen für Mai und Juni entwickeln, um zu sehen, inwieweit die Energiekrise in der Straße von Hormuz und die Blockaden die Lebensmittelpreise beeinflussen.“
Weitere Faktoren treiben die Preise in die Höhe
Neben den Energiekosten belasten auch Handelszölle und Extremwetter die Lebensmittelpreise in den USA. Im Juli 2024 verhängte die Trump-Administration einen 17-prozentigen Zoll auf frische Tomaten aus Mexiko – seitdem stiegen die Verbraucherpreise um 40 % innerhalb von zwölf Monaten.
Trockenheit im Westen der USA hat zudem den Rindfleischpreis in die Höhe getrieben: Im April lag er 15 % höher als im Vorjahr. Auch Kaffeepreise stiegen um 18,5 %, unter anderem wegen Lieferengpässen.
Der Verbraucherpreisindex erfasst die Preisentwicklung für Fleisch, Brot, Milch, Obst und andere Grundnahrungsmittel in US-Städten. In den letzten 20 Jahren stiegen die Lebensmittelpreise im Schnitt um 2,6 % pro Jahr, wie das US-Landwirtschaftsministerium mitteilt.
Besonders schnell steigen die Preise für verderbliche und gekühlte Waren, wenn Energie teuer ist. Im April zahlten Verbraucher in US-Städten 6,5 % mehr für frisches Obst und Gemüse als im Vorjahresmonat. Fleisch war sogar 8,8 % teurer.