Havanna – In einer seltenen diplomatischen Initiative besuchte CIA-Direktor John Ratcliffe am Donnerstag Kuba. Im Mittelpunkt des Treffens standen Gespräche mit kubanischen Geheimdienstvertretern sowie mit Raulito Rodríguez Castro, dem Enkel des ehemaligen Staatschefs Raúl Castro. Die Begegnung erfolgt vor dem Hintergrund einer dramatischen Krise auf der Insel.
Kuba in der Krise: Treibstoffmangel und wirtschaftliche Not
Kuba steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, die unter anderem durch die US-Sanktionen verschärft wird. Die Insel leidet unter einem akuten Mangel an Treibstoff und anderen Grundgütern. Ein hochrangiger US-Beamter gegenüber Axios erklärte:
"Sie haben keinen Treibstoff. Sie haben kein Geld. Niemand kommt ihnen zu Hilfe. Das Regime ist seit 1959 stur, aber selbst sie erkennen, dass es Zeit für Veränderungen ist."
USA fordern Reformen – aber signalisieren Dialogbereitschaft
Laut einem CIA-Beamten betonte Ratcliffe in den Gesprächen, dass die USA zu einer Zusammenarbeit bereit seien – vorausgesetzt, Kuba vollzieht grundlegende Reformen. Als Beispiel verwies er auf die Operation gegen Nicolás Maduro in Venezuela im Januar, die zum Sturz des venezolanischen Präsidenten führte. Die kubanische Führung zeigte sich offen für den Dialog und betonte, dass das Treffen Teil der Bemühungen sei, die aktuelle Lage zu bewältigen.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Havanna, dass Kuba keine Bedrohung für die USA darstelle und nicht als Terrorunterstützer eingestuft werden sollte – eine Einstufung, die unter Präsident Trump vorgenommen wurde. Die kubanische Seite betonte, dass das Land bereit sei, mit den USA in Sicherheits- und Wirtschaftsfragen zusammenzuarbeiten.
Geheimtreffen mit Schlüsselpersonen
Neben Raulito Castro traf Ratcliffe auch den kubanischen Innenminister Lázaro Álvarez Casas sowie den Chef des kubanischen Geheimdienstes. Diese Gespräche fanden im Rahmen der von US-Außenminister Marco Rubio geführten Geheimverhandlungen mit kubanischen Führungskräften und Vermittlern statt. Bisher gibt es jedoch keine konkreten Ergebnisse.
Sanktionen verschärfen die Krise
Die USA verschärften kürzlich die Sanktionen gegen Unternehmen, die mit der kubanischen Regierung Geschäfte machen. Eine solche Maßnahme soll Druck auf Havanna ausüben. Ein US-Beamter kommentierte:
"Für Unternehmen ist es kaum noch lukrativ, in Kuba tätig zu sein. Die Sanktionen machen es schlichtweg unattraktiv."
Dramatische Entwicklungen auf Kuba
Die aktuelle Krise verschärft sich weiter: Kubas Energieminister gab am Mittwoch bekannt, dass das Land kein Heizöl und Diesel mehr habe. Die Folge sind Stromausfälle von bis zu 22 Stunden täglich. Krankenhäuser kämpfen um die Versorgung von Patienten, und die Bevölkerung ist gezwungen, auf improvisierte Weise zu kochen, da Gas für Herde fehlt.
Als Zeichen der Entspannung ließ Kuba am Donnerstag die politische Gefangene Sissi Abascal Zamora frei. Dies könnte ein weiteres Indiz für die Bereitschaft Havannas sein, in einen Dialog mit den USA zu treten.