Die Strompreise steigen in Ann Arbor, Michigan, wie in vielen anderen Städten. Doch die Stadt setzt nun auf ein neues Programm: Kommunale Solaranlagen und Batteriespeicher werden direkt auf Wohnhäusern installiert. Dadurch könnten Haushalte jährlich mehrere hundert Dollar sparen. Erste Projekte laufen bereits.
Für die Bewohner bedeutet das: Sie erhalten die Vorteile der Solarenergie, ohne selbst in die Technik investieren zu müssen. „Auf andere Weise hätte ich mir das nie leisten können“, sagt Bruce Schauer, 80, der die Vorzüge der Solaranlage und des Batteriespeichers erkennt, sich die Anschaffung aber nicht hätte leisten können. Nach der Installation in den kommenden Wochen erwartet er jährliche Einsparungen von etwa 400 Dollar bei seinen Stromkosten. „Ich habe mich schon früher mit Solarenergie beschäftigt, aber die Anschaffungskosten sind enorm“, erklärt Myles Burchill, ein weiterer Anwohner, dessen Haus bald mit dem System ausgestattet wird. „Wir hätten es gerne direkt nach unserem Einzug gemacht. Jetzt profitieren wir von niedrigeren Stromkosten, ohne die Anlage zu besitzen. Und falls wir nicht den gesamten Strom verbrauchen, könnte sogar das lokale Energieversorgungsunternehmen uns für den Überschuss zahlen.“
Die ersten Installationen finden im Rahmen eines Pilotprojekts im sozial schwächeren Stadtteil Bryant statt. Dort werden in diesem Jahr rund 150 Häuser mit Solaranlagen und Batteriespeichern ausgestattet. Im nächsten Jahr soll das Programm auf etwa 1.000 Häuser ausgeweitet werden, später dann auf mehrere tausend pro Jahr.
Der Pilot ist der erste Schritt der neu gegründeten „Sustainable Energy Utility“ (A2SEU), die den Ausbau erneuerbarer Energien im Stromnetz beschleunigen soll. „Es bringt saubere, bezahlbare und widerstandsfähige Energie schnell zu denjenigen, die sie am meisten brauchen – und die bisher von der Energiewende ausgeschlossen waren“, sagt Shoshannah Lenski, Geschäftsführerin von A2SEU. Die Stadt Ann Arbor erkannte, dass sie durch den Aufbau eines eigenen Energieversorgers saubere Energie schneller bereitstellen kann als das lokale Versorgungsunternehmen DTE Energy. DTE plant erst für das Jahr 2050 eine vollständige Umstellung auf saubere Energien – und zählt dabei auch Gas zu den „sauberen“ Quellen.
Statt auf große Wind- und Solarparks zu setzen – die oft Jahre für Genehmigung und Bau benötigen – setzt die Stadt auf dezentrale Lösungen: Solaranlagen auf Dächern, Batteriespeicher und Geothermie in den Wohnvierteln. Durch den Ausbau in großem Stil können durch den Mengenrabatt günstigere Konditionen ausgehandelt werden. (Im Pilotprojekt werden die Kosten für Solarpaneele und Batterien durch einen Zuschuss gedeckt.) Die Stadt hofft zudem, niedrigere Preise mit den Installateuren zu vereinbaren, die mehrere Häuser in einem Viertel effizient ausstatten können – ohne zusätzliche Marketingkosten, da die Kunden direkt von der Stadt vermittelt werden. Auch bei der Finanzierung spart die Kommune: „Wir können kommunale Finanzierungen mit niedrigeren Kapitalkosten nutzen, um Kredite für die Installation dieser Systeme aufzunehmen“, erklärt Lenski.
Die teilnehmenden Haushalte bleiben Kunden von DTE. Allerdings decken die Solaranlagen auf ihren Dächern zunächst ihren eigenen Strombedarf, bevor überschüssige Energie ins Netz eingespeist wird.