BATON ROUGE, Louisiana — Senator Bill Cassidy genießt in der Politik von Louisiana kaum noch Unterstützung – weder bei Befürwortern noch bei Gegnern. Seit zwei Jahrzehnten prägt er die politische Landschaft als Arzt mit legislativem Einfluss: sachlich, faktenbasiert und stets auf der Suche nach der besten Lösung für aktuelle Herausforderungen.

Mehr als ein Dutzend Wegbegleiter beschreiben ihn als einen Politiker, der sich durch seine Expertise im Gesundheitswesen auszeichnet. Als Vorsitzender des Senatsausschusses für Gesundheitspolitik hätte er 2024 eigentlich auf dem Höhepunkt seiner Macht stehen können – mit einer republikanischen Mehrheit in Washington und steigender Bedeutung des Themas Gesundheitskosten vor den Midterms. Cassidy hat fast ein Jahrzehnt lang Gesundheitsreformen der GOP geprägt und seine jüngsten Vorschläge waren teilweise stärker an Trumps Linie ausgerichtet als die vieler Kollegen.

Doch stattdessen setzt der 68-Jährige zunehmend auf eine Annäherung an die MAGA-Bewegung, um seine politische Zukunft zu sichern. Am 16. Mai steht er in einer erbitterten Primary-Wahl gegen seine Herausforderer: den Trump-nahen Abgeordneten Julia Letlow und den Staatsschatzmeister John Fleming. Aktuelle Umfragen zeigen Cassidy in einer schwierigen Position – die Daten sind jedoch noch nicht eindeutig.

Unabhängig vom Ausgang dieser Wahl wird der Senator nach Einschätzung von Freunden, Verbündeten und Kritikern kaum noch zu seiner früheren politischen Stärke zurückfinden. Der Grund: Die republikanische Basis verlangt heute entweder bedingungslose Loyalität zu Trump oder den vollständigen Rückzug. Cassidy versuchte einen Mittelweg – stimmte nach eigenen Angaben als Arzt nach Überzeugung, unterstützte aber gleichzeitig den Präsidenten. Das Ergebnis: Die Partei wirft ihm vor, ein RINO (Republican In Name Only) zu sein, nachdem er gegen Trump stimmte. Gleichzeitig enttäuscht er die Gesundheitsbranche, die in seinem Verhalten einen Bruch mit seinem ärztlichen Eid und dem eigenen Erbe sieht.

Quelle: STAT News