Der NFL Supplemental Draft war in den letzten Jahren kaum relevant. Doch in diesem Jahr könnte sich das ändern: Laut ESPN könnte der Texas-Tech-Quarterback Brendan Sorsby in den Supplemental Draft wechseln, falls ihm die Wiederherstellung seiner College-Eligibilität nicht gelingt.
Seit 2019 wurde kein Spieler mehr im Supplemental Draft ausgewählt. Sorsby hat bereits einen Anwalt engagiert, um seine College-Karriere fortzusetzen. Dabei handelt es sich um Jeffrey Kessler, der in den letzten Jahren durch seine Rolle in mehreren Antitrust-Klagen gegen die NCAA von sich reden machte. Diese Klagen deckten zahlreiche Verstöße der NCAA gegen Wettbewerbsrecht auf.
Sollte Sorsby seine College-Eligibilität nicht zurückerlangen, könnte er über den Supplemental Draft in die NFL wechseln. Doch die Liga steht vor einem Dilemma: Sorsby steht unter Verdacht, in den letzten vier Jahren über 10.000 Online-Wetten platziert zu haben. Die NFL könnte dies als Grund für eine Suspendierung nutzen – ähnlich wie im Fall des ehemaligen Ohio-State-Quarterbacks Terrelle Pryor, der 2012 wegen Manipulation der Eligibilitätsregeln gesperrt wurde.
Kessler könnte in diesem Fall eine Schlüsselrolle spielen. Der Anwalt hat bereits in der Vergangenheit gegen die NFL gekämpft und könnte versuchen, Sorsby einen sofortigen Einstieg in die Liga zu ermöglichen, falls seine College-Eligibilität nicht wiederhergestellt wird.
Gambling-Vorwürfe und mögliche Konsequenzen
Sorsby hat ein klares Ziel: Er möchte an der Texas Tech bleiben und von den geplanten 5 Millionen US-Dollar NIL-Einnahmen (Name, Image, Likeness) im Jahr 2026 profitieren. Sollte ihm dies verwehrt bleiben, könnte die NFL versuchen, ihn aufgrund der Gambling-Vorwürfe zu sperren – zumindest für Teile der Saison 2026.
Doch stellt sich die Frage: Darf die NFL Sorsby für Wetten bestrafen, die er vor seinem NFL-Vertrag getätigt hat? Die Liga überwacht das Wettverhalten ihrer Spieler nach Vertragsunterzeichnung – doch wie effektiv ist dieses System wirklich?
Ein Problem: Die NFL verlässt sich auf Meldungen von Sportwettenanbietern, wenn ein Spieler in seinem Namen wettet. Doch es gibt einfache Möglichkeiten, diese Regeln zu umgehen – etwa durch Familienmitglieder oder Freunde, die Wetten platzieren. Bisher wurde kein NFL-Spieler wegen solcher Umgehungsversuche bestraft, obwohl dies angesichts der hohen Anzahl an Spielern und legalen Wettmöglichkeiten kaum plausibel erscheint.
Gambling-Sucht und die Rolle der NFL
Hintergrund der gesamten Situation ist die Gambling-Sucht von Sorsby, die durch die zunehmende Legalisierung von Sportwetten in den USA verstärkt wurde. Die NFL profitiert selbst stark von den legalen Wettmärkten, was die Glaubwürdigkeit ihrer Anti-Gambling-Politik infrage stellt.
Sorsby sollte die Chance erhalten, professionelle Hilfe zu erhalten und seine Karriere fortzusetzen – sei es in der NCAA oder in der NFL. Die Frage bleibt jedoch: Wird die Liga ihm diese Möglichkeit geben oder ihn als Risiko einstufen?