Der US-amerikanische Brokerage-Riese Charles Schwab hat die Einführung von Spot-Bitcoin-Handel für Privatkunden gestartet. Damit erweitert das Unternehmen sein Angebot um direkte Krypto-Investments und ermöglicht ausgewählten Nutzern den Zugang zu Bitcoin über die neue Plattform Schwab Crypto.
Die erste Phase des Rollouts richtet sich an eine begrenzte Gruppe berechtigter Kunden in den USA. Im Gegensatz zu früheren indirekten Investitionsmöglichkeiten wie ETFs oder Futures können Anleger nun direkt Bitcoin kaufen und verkaufen. Das Konto für Kryptowährungen ist dabei mit dem bestehenden Brokerage-Konto verknüpft.
Als Verwahrer fungiert Charles Schwab Premier Bank, während Paxos für die Abwicklung der Trades und die Unterverwahrung zuständig ist. Laut den FAQ des Unternehmens beträgt die Handelsgebühr 0,75 Basispunkte. Der Service steht in allen US-Bundesstaaten mit Ausnahme von New York und Louisiana zur Verfügung. Einige Kunden könnten während der ersten Phase keinen Zugang erhalten.
Schwab folgt dem Trend traditioneller Finanzinstitute
Mit einem verwalteten Kundenvermögen von 11,77 Billionen US-Dollar und über 39 Millionen aktiven Brokerage-Konten (Stand März 2025) verfügt Schwab über eine enorme Reichweite. Die Einführung von Schwab Crypto unterstreicht den wachsenden Trend etablierter Finanzdienstleister, die sich zunehmend im Kryptobereich engagieren.
In den letzten Monaten haben zahlreiche Banken und Broker ihre Krypto-Angebote ausgebaut, insbesondere nach der Genehmigung von Spot-Bitcoin-ETFs und der steigenden Nachfrage von Privat- und institutionellen Anlegern. Allein der BlackRock IBIT verwaltete Anfang 2026 rund 54 Milliarden US-Dollar. Institutionelle Anleger hielten zu diesem Zeitpunkt über 513.000 Bitcoin über ETFs – eine Zahl, die im Laufe des Jahres 2025 um 32 % gestiegen ist.
Wachsende Akzeptanz von Bitcoin im Finanzsektor
Die Nettozuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs beliefen sich im April 2026 auf etwa 2,44 Milliarden US-Dollar – der höchste Monatswert des Jahres. Diese Entwicklung führte zu neun aufeinanderfolgenden Handelstagen mit positiven Nettozuflüssen bis in den Mai hinein. Jeder Zufluss bedeutet, dass Bitcoin aus dem offenen Markt genommen und an Verwahrer übergeben wird, was laut Analysten eine strukturelle Preisstütze unabhängig von spekulativen Handelsaktivitäten schafft.
Auch im Bankensektor zeichnet sich ein Wandel ab: Fast 60 % der größten US-Banken bieten bereits Bitcoin-bezogene Dienstleistungen an oder planen deren Einführung. JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citi haben in den letzten Monaten ihre Angebote in den Bereichen Verwahrung, Handel oder ETF-Produkte erweitert. Morgan Stanley strebt sogar die Position eines vollwertigen Krypto-Bankhauses an, während Goldman Sachs einen Antrag für einen Bitcoin Premium Income ETF einreichte und Citi ein institutionelles Verwahrungsprogramm startete.
Analysten sehen darin keine taktische Absicherung, sondern eine strukturelle, compliance-gesteuerte Integration von Bitcoin in das traditionelle Finanzsystem.