Der Schriftsteller Walter Tevis beschrieb seinen 1963 erschienenen Science-Fiction-Roman Der Mann, der vom Himmel fiel – inspiriert von seinen eigenen Kämpfen mit Alkoholismus – als „getarnte Autobiografie“. Bevor der Film schließlich unter der Regie von Nicolas Roeg entstand, wurde das Buch bereits dreimal für eine Verfilmung optioniert. Roeg sah darin jedoch keine bloße Science-Fiction-Geschichte, sondern eine spirituelle Erzählung über Entfremdung.

Ursprünglich sollte die Hauptrolle des außerirdischen Erfinders mit dem 2,06 Meter großen Science-Fiction-Autor und Filmemacher Michael Crichton oder dem charismatischen Peter O’Toole besetzt werden. Doch dann entdeckte Roeg die Dokumentation Cracked Actor, die David Bowie auf seiner Tournee zeigt – in einem Zustand, der von Drogen und Erschöpfung geprägt war. Bowie wurde zur Inspiration für die Figur: Pauline Kael bezeichnete ihn später als „einen welken Fremden, der für alle steht, die sich unverstanden fühlen“. Seine blasse Haut, sein lascher Gang und sein androgynes Auftreten prägten das Bild des Protagonisten – ein Charakter, der Bowies eigene Ästhetik der 1970er-Jahre verkörperte.

Der Film Der Mann, der vom Himmel fiel wurde so zu einem Schlüsselwerk, das nicht nur Bowies Image als „Rockstar vom Mars“ aus der Ziggy Stardust-Ära festigte, sondern auch den mystischen, experimentellen Bowie der Alben Station to Station und Low prägte. Beide Alben nutzten Standbilder aus dem Film für ihre Cover.

Wie Popstars durch Filme ihre Identität formen

Wenn ein Popstar in einem Film auftritt, verstärkt dies nicht nur die Wirkung des Films, sondern auch das Image des Stars selbst. Die Leinwand bietet eine Plattform, um das bereits bekannte Star-Persona in einem visuellen und narrativen Kontext zu vertiefen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. In einer Zeit, in der die Kulturindustrie immer umkämpfter wird, sind diese Eindrücke – im digitalen Marketing auch als „Impressions“ bekannt – von entscheidender Bedeutung.

Um ihre Persona zu transportieren – oder, wie es heute heißt, ihre „Ära“ zu definieren – setzen Stars auf immer größere Teams aus Kreativdirektoren, Stylisten, Kameraleuten und Assistenten. Sie tragen damit nicht nur die Erwartungen von Plattenfirmen, Marken und Agenturen, sondern auch die ihrer potenziellen Partner und deren Teams.

Charli XCX und ihre cineastische Phase

Auch Charli XCX hat in ihrer aktuellen Schaffensphase eine starke filmische Note. Ihre Musik, ihre Videos und ihr öffentliches Auftreten wirken wie eine Hommage an die Ästhetik des Kinos – von den 1970er-Jahren bis zur Gegenwart. Doch anders als Bowie, der seine Filmrolle nutzte, um sein Image zu prägen, scheint Charli XCX ihre „Ära“ bewusst als cineastisches Gesamtkunstwerk zu inszenieren. Ihre Musikvideos erinnern an Filmklassiker, ihre Texte an Dialoge aus Drehbüchern, und ihr Stil ist eine Collage aus verschiedenen Epochen des Kinos.

Diese Strategie ist kein Zufall: Sie spiegelt den Trend wider, dass Popstars heute nicht mehr nur Musiker, sondern auch visuelle Erzähler sind. In einer Zeit, in der Musikstreaming und Social Media die Aufmerksamkeitsspanne verkürzen, müssen Stars durch ein starkes, wiedererkennbares Image herausstechen. Charli XCX gelingt dies, indem sie ihre Musik in einen filmischen Kontext setzt – und so eine Ära schafft, die weit über die reine Tonkunst hinausgeht.

Quelle: Defector