Matt Murdocks fatale Entscheidungen prägen das düstere "Requiem"

Diese Rezension enthält Spoiler zu Daredevil: Born Again, Staffel 2, Folge 6. Jede Daredevil-Geschichte folgt einem zentralen moralischen Grundsatz: Man sollte sich niemals auf Matt Murdock einlassen. Ob Charlie Cox oder Ben Affleck, ob eine alberne Silver-Age-Geschichte oder ein düsterer Frank-Miller-Stil – die Botschaft bleibt dieselbe. Matt ist charmant, leidenschaftlich und engagiert sich für das Gute. Doch genau dann trifft er die falschesten Entscheidungen zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt – und handelt trotz Schuldgefühlen konsequent weiter.

Folge 6: Zerstörerische Entscheidungen dominieren

Der Titel "Requiem" deutet auf eine Phase der Trauer um Vanessa Fisk hin. Doch die Episode konzentriert sich stattdessen auf die selbstzerstörerischen Entscheidungen anderer Charaktere. Mr. Charles handelt im Hintergrund, Daniel konfrontiert BB, Powell tötet einen Untergebenen, und Heather versucht sogar, Buck zu erwürgen. Doch keine dieser Aktionen übertrifft Matt Murdocks Versuch, einen Waffenstillstand mit Wilson Fisk zu schließen.

Geschrieben von Devon Kliger und Jesse Wigutow, inszeniert von Angela Barnes, setzt "Requiem" direkt nach Folge 5, "The Grand Design", ein. Die Episode beginnt mit der Mitteilung von Vanessas Tod – und dem denkbar unpassendsten Zeitpunkt, um Wilson zu umarmen. (Falls Sie diese Szene bereits kennen … unser Beileid.)

Fisks Schwäche nutzt die Gegenseite aus

Mit Fisk in tiefer Trauer springen alle anderen in Aktion. Mr. Charles, dessen Deal mit dem Bürgermeister geplatzt ist, wendet sich an den Gouverneur, um neue, undurchsichtige Absprachen zu treffen. Der Gouverneur wiederum setzt Sheila Rivera als neue Fisk-Ersatzfigur ein. Buck Cashman geht in die Offensive: Zuerst zwingt er Daniel, sich mit BB über ihre City Without Fear-Berichte auseinanderzusetzen. Dann spielt er ein gefährliches Würgespiel mit Heather, das neue Visionen von Muse auslöst.

Soledad Ayala, Angela del Toro und andere Widerstandskämpfer starten eine große Anti-Fisk-Aktion. Dies gibt Powell den perfekten Vorwand für offene Repression – nachdem er Saunders, den Mann des Widerstands in der AVTF, eliminiert hat.

Schwache Handlungsstränge, aber ein Highlight

Wie schon in dieser Staffel variiert die Qualität der Handlungsstränge stark. Buck Cashman zeigt sich erstmals offen boshaft – sein englischer Charme hebt ihn von seinem Vorgänger Wesley ab. Doch das Drehbuch verlangt ihm subtile Darstellung ab, während es gleichzeitig in peinlichen Details seine Mole-Tests erklärt. Seine Interaktion mit Heather ist zwar interessant, doch ihr Absturz in den Wahnsinn wirkt unverhältnismäßig langsam und offensichtlich.

Am enttäuschendsten ist Mr. Charles, der nach Fisks Untätigkeit nun ein halbherziges Thunderbolts-Projekt vorantreibt – angeblich mit Luke Cage als Ziel. Matthew Lillard liefert zwar eine solide Performance, doch Marvels altes Muster zeigt sich erneut: Versprechen von Spannung für später, aber wenig Action jetzt.

Trotz dieser Schwächen liefert "Requiem" ein Highlight: Jessica Jones kehrt überraschend in das MCU zurück. Doch reicht ihr Auftritt aus, um die Episode zu retten?

Fazit: Eine Folge voller verpasster Chancen

Folge 6 von Daredevil: Born Again bestätigt das Muster der Serie: Matt Murdocks Entscheidungen zerstören alles. Während Nebencharaktere wie Buck Cashman oder Heather zumindest interessante Ansätze bieten, wirken andere Handlungsstränge – insbesondere die von Mr. Charles – enttäuschend leer. Jessica Jones’ Rückkehr ist ein willkommener Lichtblick, doch die Frage bleibt: Kann die Serie ihre schwache zweite Staffel noch retten?