Die Annahme, lateinamerikanische Wähler hätten sich nach der Wahl 2024 politisch nach rechts bewegt, steht vor ihrem ersten ernsthaften Härtetest. Besonders in Wahlkreisen, die die Republikaner bisher als sicher eingestuft hatten, könnte sich die Lage grundlegend ändern.

Texas als Hauptschauplatz

Der wichtigste Prüfstein ist Texas, wo die Republikaner neue Wahlkreisgrenzen zogen und dabei auf anhaltende Gewinne bei lateinamerikanischen Wählern setzten. Doch nun könnten selbst dort republikanische Mandate in Gefahr sein. Auch in Kalifornien, New York, Colorado und Nevada geraten republikanisch dominierte Wahlkreise unter Druck.

Neue Modellrechnungen des demokratischen Thinktanks Oath zeigen, dass mehrere als „sicher“ geltende republikanische Wahlkreise plötzlich umkämpft werden könnten – vorausgesetzt, die aktuellen Trends bei lateinamerikanischen Wählern halten an.

Besonders betroffen sind:

  • New Yorks 2. Kongresswahlkreis
  • Kaliforniens 23. und 40. Kongresswahlkreis
  • Wahlkreise in Colorado und Nevada

Wirtschaftliche Sorgen und Einwanderungspolitik belasten GOP

Experten für politische Wissenschaft führen die mögliche Trendwende auf mehrere Faktoren zurück: eine schwächelnde Wirtschaft, die Angst vor Abschiebungen durch maskierte Bundesbeamte sowie steigende Lebenshaltungskosten. Diese Entwicklungen könnten die bisherigen Zugewinne der Republikaner bei lateinamerikanischen Wählern in Texas zunichtemachen, wie von Axios zitierte Fachleute erklären.

Eine aktuelle Umfrage von Axios-Ipsos Ende 2025 deutet darauf hin, dass einige der 2024 erzielten Gewinne der Republikaner bei lateinamerikanischen Wählern bereits wieder schwinden.

Zahlen und Fakten: Wo die Verschiebungen besonders spürbar sind

2024 gewannen die Republikaner in Texas mit einem Vorsprung von 14 Punkten und in Florida mit 13 Punkten – maßgeblich getrieben durch zweistellige Verschiebungen hin zu den Republikanern bei lateinamerikanischen Wählern. Doch bereits 2025 zeigten sich gegenläufige Trends: In New Jersey und Virginia verschoben sich die lateinamerikanischen Wähler mit zweistelligen Prozentpunkten zurück zu den Demokraten.

In Kalifornien könnte der 23. Kongresswahlkreis, ein republikanisch dominierter Bezirk mit einem lateinamerikanischen Bevölkerungsanteil von 39 Prozent, einen Linksruck von 11 bis 14 Prozentpunkten erfahren. Dadurch könnte der bisher mit R+9 eingestufte Wahlkreis zu einem umkämpften Rennen werden.

Texas: Drei Wahlkreise könnten kippen

Besonders in Texas könnten drei stark von Latinos geprägte Wahlkreise die politische Richtung wechseln:

  • Texas 15. – 78 Prozent lateinamerikanische Wähler, derzeit vertreten von der republikanischen Abgeordneten Monica De La Cruz, die sich einer starken Herausforderung durch den demokratischen Star Bobby Pulido stellen muss.
  • Texas 23.
  • Texas 34.

„Was wir beobachten, ist, dass sich diese Entwicklungen gegen die Erzählung von 2024 richten, wonach lateinamerikanische Wähler zu den Republikanern tendiert hätten.“ – Brian Derrick, CEO und Mitgründer von Oath

Derrick warnt, dass die Demokraten trotz dieser Trends weiterhin zu wenig in republikanisch dominierte, aber potenziell umkämpfte Wahlkreise investieren.

Republikaner bleiben optimistisch

Trotz sinkender Beliebtheitswerte von Donald Trump zeigt sich die National Republican Congressional Committee (NRCC) zuversichtlich, die Gewinne bei lateinamerikanischen Wählern ausbauen zu können. In einer Stellungnahme verwies die Organisation auf einen aktuellen Bericht des National Journal, der zeigt, wie die Republikaner in Schlüsselwahlkreisen eine neue Wählerkoalition aufbauen – unter anderem durch die Rekrutierung erfahrener hispanischer Kandidaten.

„Das ist eine Strategie, die Demokraten zunehmend in Panik versetzt, da lateinamerikanische Wähler weiterhin nach rechts tendieren.“ – Christian Martinez, Sprecher der NRCC

Quelle: Axios