Washington – Republikaner bremsen eine befürchtete Welle der Neuverteilung von Wahlkreisen im tiefen Süden der USA. Damit erhalten mehrere langjährige afroamerikanische Abgeordnete eine vorübergehende Entlastung. Die Entscheidung kommt zu spät für einige Demokraten, verhindert aber vorerst den drohenden Verlust politischer Repräsentation in der Region.

Hintergrund: Supreme Court schwächt Voting Rights Act

Die Entwicklung folgt auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Ende April, das den Voting Rights Act entscheidend schwächte. Dadurch sahen sich Demokraten mit dem Risiko konfrontiert, dass bis zu 19 Mitglieder des Congressional Black Caucus ihre Sitze verlieren könnten – sofern die Republikaner bundesweit eine maximale Neuverteilung durchsetzen würden. Yvette Clarke, Vorsitzende des Congressional Black Caucus, warnte am Dienstag gegenüber NBC News vor den möglichen Folgen.

Drei Südstaaten bremsen Neuverteilung

Doch nicht alle republikanisch dominierten Bundesstaaten setzen die Pläne mit voller Härte um. Besonders drei Staaten haben ihre aggressivsten Vorhaben zurückgenommen oder verschoben:

  • Louisiana: Statt zwei schwarzmäandrigen Wahlkreisen wird nur einer abgeschafft. Die demokratischen Abgeordneten Cleo Fields und Troy Carter müssen nun um den verbleibenden Sitz konkurrieren.
  • Mississippi: Gouverneur Tate Reeves sagte eine für diesen Monat geplante Sondersitzung ab. Stattdessen will er die Wahlkreis-Neuziehung erst vor den Landtagswahlen 2027 vornehmen – mit dem Ziel, den langjährigen Abgeordneten Bennie Thompson (D) zu verdrängen. Thompson reagierte mit den Worten: "Ablenkung ist real."
  • Georgia: Gouverneur Brian Kemp kündigte am Mittwoch eine Sondersitzung an – allerdings erst für den Wahlzyklus 2028. Betroffen wäre vermutlich der demokratische Abgeordnete Sanford Bishop.

Republikaner dominieren die Neuverteilung – mit Ausnahmen

Trotz dieser Rücknahmen bleiben die republikanischen Pläne in anderen Bundesstaaten ungebrochen. In Virginia blockierte der Oberste Gerichtshof bereits die neuen Wahlkreis-Karten, während Florida und Texas besonders aggressive Neuverteilungen vornehmen. Diese Maßnahmen wiegen die demokratischen Erfolge in Kalifornien auf.

Sollte 2026 jedoch eine demokratische Welle durchs Land schwappen, könnte dies zu einem "Dummymander" führen: Republikaner verlieren Sitze in Wahlkreisen, die sie zuvor zugunsten ihrer Partei umgestaltet hatten.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Nicht alle Staaten handeln mit Zurückhaltung. Alabama setzte seine Pläne trotz Aufhebung einer gerichtlichen Blockade fort und will einen schwarzmäandrigen Wahlkreis streichen. South Carolina kehrte überraschend um: Gouverneurin Henry McMaster wird voraussichtlich eine Sondersitzung einberufen, um den Wahlkreis des demokratischen Kingmakers Jim Clyburn neu zu ziehen – obwohl zunächst eine Verschiebung auf 2028 geplant war.

Fazit

Die Neuverteilung der Wahlkreise bleibt ein hochpolitisches Thema mit langfristigen Folgen für die politische Repräsentation. Während einige Staaten ihre Pläne verlangsamen, setzen andere ihre Vorhaben unvermindert fort. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Demokraten ihre Sitze verteidigen können – oder ob die Republikaner ihre Mehrheit weiter ausbauen.

Quelle: Axios