Eine Welle von Auseinandersetzungen um Wahlrechte und die Neugestaltung von Wahlkreisen durch die Republikaner löst im Süden der USA eine koordinierte Protestbewegung aus. Aktivisten bereiten eine Kampagne namens „Sommer der Aktion“ vor, deren Märsche ab diesem Wochenende beginnen.
Hintergrund: Die Organisatoren betonen, dass der Streit um Kongresskarten, Wahlzugang und politische Vertretung an Fahrt aufnimmt. Staaten überarbeiten derzeit die politischen Machtverhältnisse vor den Midterms im November und der Präsidentschaftswahl 2028. Ende April hatte der Supreme Court den Voting Rights Act eingeschränkt, was Klagen wegen rassistischer Diskriminierung bei Wahlkreisziehungen erschwert.
Republikanisch dominierte Bundesstaaten wie Tennessee und Alabama zielen dabei besonders auf demokratisch geprägte Wahlkreise ab – insbesondere solche mit hohem Anteil schwarzer Wähler in städtischen Gebieten. Für die Neuordnung der Wahlkreise in Georgia hat Gouverneur Brian Kemp eine Sondersitzung einberufen. In Mississippi planen Republikaner ebenfalls eine Neuziehung der Wahlkreise vor 2028, um den langjährigen Kongressabgeordneten Bennie Thompson (Demokraten) zu schwächen.
Lokale Initiativen und historische Bezüge
In Selma, Alabama, bereiten Aktivisten Märsche vor, die an die „Bloody Sunday“-Proteste und die Edmund Pettus Bridge anknüpfen. Sie verstehen die diesjährigen Demonstrationen als Fortsetzung der Bürgerrechtsbewegung.
„Das ist ein Weckruf“, erklärte LaTosha Brown, Mitgründerin von Black Voters Matter, während einer nationalen Organisator:innen-Telefonkonferenz vor dem Start am Samstag.
Auch in Texas formieren sich Proteste. Aktivisten berichten, dass steigende Lebenshaltungskosten und Sorgen um politische Repräsentation vor allem jüngere schwarze Wähler:innen mobilisieren. Nationale Netzwerke und „Day of Action“-Koalitionen koordinieren landesweit Märsche, Aufklärungsevents und Graswurzelkampagnen.
Nationale Stimmen und strukturelle Herausforderungen
Arndrea Waters King, Ehefrau von Martin Luther King III, betont, dass die Rückkehr nach Selma auch eine Gelegenheit sei, „sich zusammenzuschließen und sich neu zu verpflichten“ angesichts der sich wandelnden Wahlrechtskämpfe. „Die Realität ist: Es ist unsere Zeit in diesem langen Marsch zur Freiheit.“
Ihr Mann, Martin Luther King III, hinterfragt, ob die USA grundlegende strukturelle Probleme der Demokratie angehen: „Wie bekämpft man ein System, das manipuliert wird, um nicht zu funktionieren?“
Unterdessen verzeichnet Ex-Präsident Donald Trump trotz rassistischer Äußerungen und Videos leichte Zugewinne bei schwarzen Wähler:innen. Eine Auswertung aktueller Daten zeigt jedoch Risse in der traditionell starken Unterstützung der Demokraten für schwarze Wähler:innen – ein Trend, der bis zu John F. Kennedys Wahl 1960 und Barack Obamas Sieg 2008 zurückreicht.
Politische Bedeutung des Südens
Der Süden ist nicht nur das Zentrum des Bevölkerungswachstums in den USA, sondern auch ein umkämpftes politisches Schlachtfeld. Kämpfe um Repräsentation und Wahlmacht werden damit immer entscheidender.
Marc Morial, Präsident der National Urban League, warnt: „Dies wird anhaltenden Druck und Mobilisierung erfordern. Im Laufe des Sommers wird es an vielen Orten zu weiteren Aktionen kommen.“
Er verweist darauf, dass die volle Wirkung des Supreme-Court-Urteils noch ausstehe: „Die Folgen werden spürbar sein, wenn 10 bis 15 schwarze Kongressabgeordnete ihre Sitze verlieren.“
Lisa Graves, Mitgründerin von Court Accountability, sieht in dem Urteil ein „riesiges grünes Licht“ für Gesetzgeber, schnell neue Wahlkreisziehungen vorzunehmen.