Der erste Detektivroman der Literaturgeschichte lässt sich schwer datieren. Ob 'Die drei Äpfel' aus 'Tausendundeine Nacht' oder Edgar Allan Poes 'Die Morde in der Rue Morgue' – eines ist sicher: Schafe sucht man in den Klassikern vergeblich. Die Welt der Krimis ist vielfältig, doch bis vor wenigen Jahren blieb sie weitgehend schafsfrei. Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes ermittelte nie in 'Schurwoll Holmes', Raymond Chandlers Marlowe trank nie in 'Der große Hammel' und selbst 'Das Schweigen der Lämmer' kam ohne nennenswerte Schafspopulation aus.
Doch dann veröffentlichte Leonie Swann 2005 ihren deutschen Roman 'Drei Schafe voll: Ein Schafskrimi' – und plötzlich änderte sich alles. Die Verfilmung 'The Sheep Detectives' (auf Deutsch: 'Die Schaf-Detektive') beweist: Krimi kann auch mit wolligem Charme funktionieren. Und das ist kein Schafsblödsinn.
Die Handlung folgt drei ungewöhnlichen Ermittlern: der klugen Lily (Julia Louis-Dreyfus), dem grantigen Sebastian (Bryan Cranston) und dem tollpatschigen Mopple (Chris O’Dowd). Zusammen mit ihrer Herde und ihrem Besitzer George (Hugh Jackman) leben sie auf einer idyllischen Farm. Jeden Abend liest George ihnen aus Kriminalromanen vor – bis zu seinem mysteriösen Tod. Als der örtliche Polizist (Nicholas Braun) mit seiner Ermittlung kläglich scheitert, übernimmt Lily die Führung. Doch die junge Schafsdame hat ein Problem: Sie kennt sich bestens in Krimiregeln aus, aber mit dem echten Leben außerhalb der Weide hat sie keine Ahnung. Noch nie zuvor hat sie den Tod erlebt – oder überhaupt davon gehört. Schafe besitzen nämlich eine besondere Fähigkeit: Sie können unangenehme Erinnerungen einfach vergessen. Für sie ist der Tod kein Thema. Sie glauben, alle Tiere würden irgendwann zu Wolken werden.
Das Genre des 'gemütlichen Krimis' war schon immer ein Paradox: Es soll beruhigend wirken, doch meist geht es um Mord – was nun wirklich nicht beruhigend ist. 'Die Schaf-Detektive' bleibt diesem Stil treu: niedliche Tiere, skurrile Nebenfiguren und eine Handlung, die trotz aller Harmlosigkeit den Tod nicht ausspart. Menschen sterben. Tiere sterben. Und im Laufe der Geschichte reift Iris von einer naiven jungen Schafsdame zur weltgewandten Ermittlerin heran – entschuldigt, 'wollgewandten'.
Diese dramatische Note hätte dem Film zum Verhängnis werden können. Ein Werk mit sprechenden Schafen als Hauptfiguren würde man schließlich automatisch im Kinderbereich verorten. Doch die Macher setzen bewusst auf eine Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe. Neben slapstickhaften Missverständnissen und kulturellen Fettnäpfchen der tierischen Protagonisten glänzt der Film mit einer farbenfrohen, märchenhaften Optik – perfekt für ein familienfreundliches Publikum. Doch 'familienfreundlich' bedeutet nicht 'zahnlos'. Viele der erfolgreichsten Familienfilme haben eine dunkle Seite, und 'Die Schaf-Detektive' beweist, dass auch ein Krimi mit wolligem Fell mehr zu bieten hat als nur niedlichen Charme.