Fälschungen auf Anweisung der Vorgesetzten
Renault Shirley, 58, arbeitete als Gruppenleiter bei Addiction Recovery Care (ARC), dem größten Drogenrehabilitationszentrum Kentuckys. 2023 wurde er aufgefordert, stornierte Therapiesitzungen als regulär durchgeführte Sitzungen abzurechnen. Dazu sollte er erfundene Details wie Zitate von Klienten einfügen. „Das war Betrug“, sagte Shirley gegenüber dem Lexington Herald-Leader und ProPublica. Er lehnte ab, doch andere Mitarbeiter hätten dies regelmäßig getan, um die Abrechnungsziele zu erreichen.
Milliardengeschäft mit dem Leid der Suchtkranken
Kentucky zahlte zwischen 2019 und 2024 über 1,7 Milliarden Dollar für Drogenbehandlungen an ARC – davon flossen mehr als 377 Millionen Dollar als Medicaid-Gelder. ARC kontrollierte zeitweise über zwei Drittel aller Behandlungsplätze in Kentucky. Die Einrichtung galt als Vorzeigeprojekt: Das US-Gesundheitsministerium lobte ARC als Modell, Newsweek zählte es zu den besten Anbietern, und der Gouverneur Kentuckys bezeichnete den Gründer als „wichtigen Partner im Kampf gegen die Sucht“.
FBI ermittelt wegen möglicher Medicaid-Betrugs
Ein Whistleblower reichte 2023 eine Klage ein, die ARC vorwirft, die therapeutische Maßnahme Psychoedukation falsch abzurechnen. Das FBI sammelt nun Hinweise von Betroffenen. „Wenn Sie glauben, von ARC betrogen worden zu sein, füllen Sie bitte unser Formular aus“, heißt es auf der FBI-Website. Die Ermittlungen laufen noch.
„Wir wurden unter Druck gesetzt“
Sechs ehemalige Mitarbeiter, Klienten und Angestellte berichteten ProPublica und dem Herald-Leader erstmals öffentlich von den Vorwürfen. Drei von ihnen bestätigten, ähnliche Aussagen bereits gegenüber Bundesermittlern gemacht zu haben. Die Fälschungen seien systematisch gewesen: Vorgesetzte hätten Mitarbeiter unter Druck gesetzt, um Abrechnungsziele zu erfüllen – trotz Personalmangels und fehlender Qualifikationen.
Wie ARC seine Macht ausbaute
- Busse aus anderen Bundesstaaten: ARC transportierte Klienten aus ganz Amerika an, um Betten zu füllen und höhere Medicaid-Zahlungen zu erhalten.
- Lob von offizieller Seite: Trotz späterer Vorwürfe wurde ARC jahrelang als Vorzeigeeinrichtung gefeiert.
- Finanzielle Abhängigkeit: Die lukrativen Medicaid-Zahlungen machten ARC zum mächtigsten Akteur in Kentuckys Suchthilfe.
Die Folgen für Betroffene
Viele suchtkranke Menschen suchten bei ARC Hilfe – und wurden Teil eines Systems, das sie möglicherweise ausnutzte. Zwei der Befragten bestätigten, dass ihre Aussagen bereits in die FBI-Ermittlungen eingeflossen sind. Die genauen Ausmaße des Betrugs sind noch unklar, doch die Vorwürfe werfen ein düsteres Licht auf die Drogenrehabilitationsbranche in den USA.
„Wir wurden gebraucht, um Zahlen zu fälschen – nicht, um Menschen zu helfen.“
Renault Shirley, ehemaliger ARC-Mitarbeiter