Elon Musk hat angekündigt, die Rechenleistung des Colossus-1-Rechenzentrums von SpaceX an den KI-Entwickler Anthropic zu vermieten. Der Grund: Die Nutzung von Grok, dem KI-Modell von xAI, ist so gering, dass die frei gewordenen Kapazitäten nun an Dritte abgegeben werden können.

Anthropic hat mit SpaceX einen Vertrag über die Nutzung der gesamten Rechenleistung des Rechenzentrums in Memphis, Tennessee, abgeschlossen. Die Vereinbarung umfasst über 300 Megawatt an Rechenleistung – das entspricht mehr als 220.000 NVIDIA-Grafikprozessoren. Diese Kapazitäten sollen vor allem für die Abwicklung von Nutzeranfragen in Echtzeit (Inference) genutzt werden, etwa für die Premium-Abos Claude Pro (20 US-Dollar pro Monat) und Claude Max (100 bis 200 US-Dollar pro Monat).

Musk betonte in einem Post auf X, dass er sich persönlich von der ethischen Ausrichtung von Anthropic überzeugt habe.

„Ich habe letzte Woche viel Zeit mit dem Anthropic-Team verbracht und war beeindruckt von ihrem Engagement für eine menschenfreundliche KI. Niemand hat meine ‚Böse-Detektor‘-Alarmanlage ausgelöst.“

Der CEO von SpaceX erklärte zudem, dass xAI seine Trainingslasten bereits auf das Colossus-2-Rechenzentrum verlagert habe, wodurch Colossus 1 für Anthropic frei wurde. Langfristig könnte die Zusammenarbeit sogar über die Erde hinausgehen: Anthropic und SpaceX diskutieren Pläne für mehrere Gigawatt an orbitalen KI-Rechenzentren. Der Vorteil läge auf der Hand: Im Weltraum entfielen die Kosten für die Kühlung der Server. Allerdings gibt es noch erhebliche technische Herausforderungen, insbesondere bei der zuverlässigen Datenübertragung zwischen orbitaler Infrastruktur und der Erde.

Musk scheint mit der Partnerschaft auch eine klare Botschaft an OpenAI und dessen Mitgründer Sam Altman zu senden. Er hatte OpenAI 2023 verklagt, weil er dem Unternehmen vorwarf, seine ursprüngliche gemeinnützige Mission – die Entwicklung von KI zum Wohl der Menschheit – verraten zu haben. Anthropic gilt als einer der Hauptkonkurrenten von OpenAI.

Trumps Bündnis mit Silicon Valley bröckelt

In einem neuen Artikel des Atlantic analysiert George Packer die schwindende Allianz zwischen dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und der Tech-Elite aus Silicon Valley. Die Beziehung, die während Trumps Amtszeit besonders eng war, zeigt zunehmend Risse – auch im Kontext der KI-Politik.

Die Spannungen könnten sich weiter verschärfen, da Trump in seiner aktuellen Kampagne für die Präsidentschaftswahl 2024 eine kritischere Haltung gegenüber der Tech-Branche einnimmt. Gleichzeitig setzen viele Tech-Unternehmen auf eine stärkere Regulierung der KI, was im Widerspruch zu Trumps bisheriger Linie steht.