Vom 24. bis 26. April 2026 fand in Madrid die LibertyCon Europe statt, das größte jährliche Treffen europäischer libertärer Studenten, Akademiker und Aktivisten. Ich war als Redner eingeladen und nahm zum ersten Mal seit 2014 wieder an der Veranstaltung teil. Bei Gesprächen mit Teilnehmern aus ganz Europa wurde deutlich, wo sich europäische Libertäre – oder wie sich manche auch nennen: klassische Liberale – in dieser historischen Phase positionieren und wie sie sich von ihren amerikanischen Pendants unterscheiden.
Zunächst überrascht die große Schnittmenge: Sowohl europäische als auch amerikanische Libertäre teilen ähnliche Sorgen. Dazu gehören übermäßige Staatsausgaben, überbordende Regulierung, Zensurversuche im Internet unter dem Deckmantel des Kinderschutzes sowie protektionistische Handelspolitik. Die gegenseitige Beeinflussung ist evident. Wie der österreichische Ökonom und Libertäre F.A. Hayek einst sagte: „Die Verbreitung von Ideen ist ein internationaler Prozess.“
Doch es gibt entscheidende Unterschiede: Während viele amerikanische Libertäre eine ambivalente Haltung zu Donald Trump einnehmen – einige lehnen ihn ab, andere unterstützen ihn aktiv –, ist die Ablehnung in Europa nahezu einhellig. Mehrfach wurde ich gefragt, ob Trump der schlechteste US-Präsident aller Zeiten sei. Meine Antwort: Er arbeitet daran, diesen Titel zu verdienen, hat ihn aber bisher noch nicht erreicht. Doch die Frage selbst zeigt, wie fremd Trumps nationalistische Rhetorik in Europa wirkt.
Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Haltung zum Nationalismus. Europäische Libertäre zeigen eine klare Skepsis gegenüber rechtspopulistischen Parteien wie der AfD in Deutschland, dem französischen „Rassemblement National“ oder dem ehemaligen ungarischen Premier Viktor Orbán. Orbáns autoritäre Politik, die in den USA von „nationalen Konservativen“ und „Postliberalen“ gefeiert wird, löste bei den europäischen Teilnehmern überwiegend Abscheu aus. Viele begrüßten sogar Orbáns jüngste Wahlniederlage.
Europas Libertäre scheinen die Gefahren des Nationalismus stärker zu erkennen als ihre amerikanischen Kollegen. In einem meiner Vorträge auf der Konferenz argumentierte ich, dass Nationalismus heute die größte Bedrohung für wirtschaftliche Freiheit in den meisten Ländern darstellt – ein Thema, das in Europa auf deutlich mehr Resonanz stieß als in den USA.