Aleshea Harris hat mit „Is God Is“ einen der mutigsten und fesselndsten Debütfilme der letzten Jahre geschaffen. Der Film, basierend auf ihrem preisgekrönten Theaterstück aus 2018, ist eine radikale Mischung aus Racheepos, griechischer Tragödie und sozialer Anklage – und dabei so originell wie beunruhigend.

Zwillingschwestern auf blutiger Mission

Die Schwestern Anaia (Mallori Johnson) und Racine (Kara Young) wurden als Kinder vom „Monster“ (Sterling K. Brown) lebendig verbrannt. Während Anaia mit Narben übersät ist, trägt Racine keine sichtbaren Spuren – doch sie schlägt jeden zusammen, der ihre Schwester beleidigt. Die beiden leben in einer symbiotischen, fast telepathischen Beziehung, die von Liebe und Trauma geprägt ist.

Als ihre Mutter (Vivica A. Fox) im Sterben liegt, offenbart sie ihnen ein grausames Geheimnis: Ihr Vater lebt noch. Ihr letzter Wunsch? Die Töchter sollen ihn töten. Für die Schwestern, die ihre Mutter wie eine göttliche Figur verehren, wird daraus eine Mission „von Gott“ – ein Auftrag, der keine Grenzen kennt. „Wenn ihr dabei noch ein paar andere umbringt, ist das auch in Ordnung“, scheint die göttliche Stimme zu flüstern.

Ein Film zwischen Genres und Extremen

„Is God Is“ ist alles auf einmal: ein altes Testament der Rache, eine griechische Tragödie, ein gothischer Horror und ein punkiger Befreiungsschlag. Die Schwestern sind moderne Hamlets – zerrissen zwischen Pflicht und Moral, zwischen Hass und Zweifel. Anaia zweifelt an ihrer Fähigkeit zu töten, Racine glaubt fest an ihre Mission. Doch am Ende stellt sich die Frage: Wer ist hier wirklich der Teufel?

Ihr Weg führt sie durch die USA, auf der Spur eines Mannes, der sich als unsterblicher Tyrann entpuppt. Sie begegnen Opfern seiner Gewalt, darunter ein von Schuld gezeichneter Anwalt, der einst seine Grausamkeit ermöglichte. Und schließlich steht das „Monster“ selbst vor ihnen – eine Konfrontation, die so schockierend wie poetisch ist.

Sterling K. Brown als rätselhafter Antagonist

Sterling K. Brown spielt den „Monster“ – eine Figur, die zunächst nur als Stimme, als Schatten oder in Rückblenden existiert. Erst spät enthüllt er sich als komplexer Charakter: ein Mann, der vielleicht mehr ist als nur ein Symbol des Bösen. Browns Darstellung zwingt das Publikum, seine Vorurteile zu hinterfragen. Ist er wirklich der Teufel – oder nur ein Produkt des Systems, das ihn erst zu dem gemacht hat?

Ein Film, der unter die Haut geht

Aleshea Harris’ Drehbuch und Regie sind provokant, poetisch und schonungslos. „Is God Is“ seziert die Strukturen männlicher Gewalt und zeigt, wie Frauen – als Opfer wie als Täterinnen – in diesem Teufelskreis gefangen sind. Der Film ist kein einfaches Racheepos, sondern eine tiefgründige Studie über Trauma, Erlösung und die Frage, wer eigentlich Gott ist.

„Ein Film, der sich wie ein Messerstich anfühlt – schmerzhaft, aber notwendig.“

Fazit: Ein Meilenstein des modernen Kinos

„Is God Is“ ist kein Film für schwache Nerven. Doch wer sich auf diese wilde, ungeschönte Reise einlässt, wird mit einem der mutigsten und eindringlichsten Werke des Jahres belohnt. Harris beweist, dass Kino nicht nur unterhalten, sondern auch erschüttern und zum Nachdenken bringen kann.

Quelle: The Wrap