Tragödie in Shreveport: Acht Kinder ermordet
In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden in Shreveport, Louisiana, acht Kinder bei einem brutalen Amoklauf ermordet. Der 31-jährige Shamar Elkins soll die Tat verübt haben. Die Nachricht löste weltweit Entsetzen aus – doch Forbes nutzte die Tragödie für ein fragwürdiges Experiment.
ForbesPredict: Leser wetten mit fiktiven Coins auf Waffengesetze
In einem Artikel über den Amoklauf integrierte das Magazin ein Vorhersage-Tool namens ForbesPredict. Dabei konnten Leser mit virtuellen Coins darauf wetten, ob der US-Kongress bis zum 31. Dezember 2026 neue Waffensicherheitsgesetze beschließen werde. Das Tool, das von der Firma Axiom entwickelt wurde, wirbt mit Sätzen wie: „Wetten Sie mit Coins – nicht mit echtem Geld – auf das, was als Nächstes passiert.“
Anders als bei Plattformen wie Polymarket oder Kalshi handelt es sich hier nicht um echtes Geld, sondern um ein scheinbar harmloses Spiel. Doch die Kombination aus der Berichterstattung über ermordete Kinder und einem interaktiven Wettspiel sorgte für massive Kritik.
„Ghoulisch“ und „dystopisch“: Empörung im Netz
Die Reaktionen in sozialen Medien waren vernichtend. Die Krypto-Journalistin Molly White, die den Vorfall zuerst auf Bluesky meldete, bezeichnete das Feature als „ghoulisch“. Andere Nutzer sprachen von einem „dystopischen“ Ansatz. Ein Kommentator schrieb schlicht: „Ich hasse es hier.“
Hintergrund: ForbesPredict und die „Gamification“ von Nachrichten
Forbes betont, dass es sich bei ForbesPredict um ein reines „Gamification“-Tool handelt, das Lesern eine interaktive Erfahrung bieten soll. Laut Nina Gould, Chief Innovation Officer bei Forbes, liefert das Tool wertvolle Daten über die Leserschaft:
„Die Sentiment-Daten unserer Leser sind extrem wertvoll. Wir können damit Zielgruppen segmentieren und Werbung besser ausrichten.“
ForbesPredict wurde von der Firma Axiom entwickelt, deren CEO Jeffrey Yam gleichzeitig im Vorstand von Forbes sitzt. Das Unternehmen wirbt damit, eine „Vorhersage-Ebene für Medien“ zu schaffen. Doch die Frage bleibt: Warum ausgerechnet in einem Artikel über ermordete Kinder?
Forbes reagiert nicht auf Kritik
Auf Anfrage von Medienvertretern äußerte sich Forbes bisher nicht zu den Vorwürfen. Gould räumte gegenüber Digiday ein:
„Wir wissen nicht, wie unsere Leser mit diesem Feature interagieren werden. Aber wir sind offen für Feedback.“
Die Kombination aus ernsthafter Berichterstattung und interaktivem Wettspiel wirft grundsätzliche Fragen auf: Darf ein Medienunternehmen Tragödien in ein Spiel verwandeln? Und welche Botschaft sendet das an die Leserschaft?