Der Gowanus-Kanal in Brooklyn galt lange als einer der am stärksten verschmutzten Wasserläufe der USA – ein Superfund-Standort, der jahrzehntelang als industrielles Abwasserbecken diente. Doch heute präsentiert sich das Gewässer überraschend grün: Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen und städtebaulichen Initiativen entsteht entlang des Kanals ein neues Wohn- und Freizeitgebiet, das das Viertel grundlegend verändert.
Zwei kürzlich eröffnete Projekte verdeutlichen den Wandel: Beide wurden vom Landschaftsarchitekturbüro SCAPE entworfen und folgen einem Masterplan, den das Unternehmen 2019 vorgelegt hatte. Sie sind ein Vorgeschmack auf die zukünftige Entwicklung des Gowanus-Kanals, der bald zu einem der spektakulärsten urbanen Revitalisierungsprojekte der letzten Jahre zählen könnte.
Sackett Place und 420 Carroll sind zwei neue öffentliche Räume, die die Verbindung zwischen Anwohnern und dem Kanalufer wiederherstellen sollen. Während Sackett Place eine Plaza und Promenade mit einem Wohn- und Bürokomplex umfasst, bietet 420 Carroll einen linearen Park mit Spielplatz, Picknickbereichen und Gärten. Beide Projekte tragen nicht nur zur ökologischen Aufwertung bei, sondern schaffen auch dringend benötigten Zugang zu einem Gewässer, das jahrzehntelang für die Öffentlichkeit gesperrt war.
„Der Gowanus-Kanal ist als Ökosystem und Nachbarschaft so faszinierend, weil er auf systemischer Ebene in so vielen Bereichen gleichzeitig neu gedacht wird – und das in relativ kurzer Zeit für ein städtisches Gebiet“, erklärt Gena Wirth, Designleiterin und Partnerin bei SCAPE. Der Masterplan sieht vor, dass zukünftige Bauprojekte entlang des Kanals aktiv zur Sanierung und ökologischen Aufwertung beitragen müssen.
Die Transformation des Gowanus-Viertels wurde maßgeblich durch eine Neuausweisung im Jahr 2014 vorangetrieben, die ehemalige Industrieflächen in ein gemischtes Wohn- und Gewerbegebiet umwandelte. Doch der Wandel begann schon früher: Seit den 2000er-Jahren engagieren sich lokale Gruppen wie die Gowanus Canal Conservancy für Umweltgerechtigkeit, ökologische Sanierung und die Schaffung öffentlicher Räume. Gegründet 2006, hat die Organisation durch praktische Projekte wie Baumpflanzungen, Regenwassergärten und Guerilla-Gärten ein tiefes Verständnis für die lokale Biodiversität entwickelt.
„Durch unsere langjährige Arbeit mit Straßenbäumen und Regenwassermanagement haben wir ein detailliertes Bild davon, welche Pflanzen und Ökosysteme hier vor der Verschmutzung existierten und wie wir sie wiederherstellen können“, sagt Andrea Parker, Geschäftsführerin der Gowanus Canal Conservancy. 2017 beauftragte die Organisation SCAPE mit der Erstellung eines Masterplans, der 2019 veröffentlicht wurde. „Dieser Plan war ein Aufruf für positive Veränderungen und eine Vision für die Zukunft“, so Wirth. „Lange Zeit wurde das Gebiet vor allem aus spekulativen Gründen betrachtet – jetzt geht es darum, es wieder funktionsfähig und lebenswert zu machen.“
Die neuen Projekte sind nur der Anfang: Der Masterplan setzt rechtliche Rahmenbedingungen, die sicherstellen sollen, dass zukünftige Entwicklungen entlang des Kanals nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch nachhaltig sind. Damit wird der Gowanus-Kanal zum Vorbild für andere Städte, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.