Die amtierende Oberbürgermeisterin von Los Angeles, Karen Bass, sieht sich bei der kommenden Bürgermeisterwahl im Juni mit finanzstarken Konkurrenten konfrontiert – und liegt bei den Spendeneinnahmen zurück. Seit Jahresbeginn hat sie lediglich 494.734 Dollar eingenommen, wie aus Daten der Ethikkommission der Stadt hervorgeht. Ihre Mitbewerber Spencer Pratt und Nithya Raman, die erst kurz vor der Frist im Februar ihre Kandidaturen bekanntgaben, verbuchten jeweils über 530.000 Dollar an Spenden.
Besonders auffällig: Der Tech-Unternehmer Adam Miller steuerte 2,5 Millionen Dollar aus eigenen Mitteln zu seiner Kampagne bei und sammelte zusätzlich 200.000 Dollar an Spenden. Bass selbst hat seit Beginn ihrer Fundraising-Aktivitäten 2024 insgesamt 2,8 Millionen Dollar eingenommen und verfügt über ein finanzielles Polster von rund 2,3 Millionen Dollar.
Doch Geld allein entscheidet nicht immer den Wahlausgang – wie das Beispiel Rick Caruso zeigt, der 2022 trotz eines selbst investierten Betrags von über 100 Millionen Dollar die Wahl verlor.
Die politische Landschaft bleibt fragmentiert: Die Wohnungsbau-Aktivistin Rev. Rae Huang sammelte seit Jahresbeginn nur 165.000 Dollar und konkurriert mit Raman um die linke Wählerschaft. Gleichzeitig hat sich Pratt, trotz fehlender politischer Erfahrung, als ernstzunehmender Kandidat etabliert. Eine aktuelle Umfrage der UCLA Luskin School of Public Affairs zeigt Bass mit 25 Prozent an der Spitze, gefolgt von Pratt mit 11 Prozent und Raman mit 9 Prozent. 40 Prozent der Wähler sind jedoch noch unentschlossen – mit nur zwei Monaten bis zur Wahl.
„Es ist ungewöhnlich, dass 40 Prozent der potenziellen Wähler erst zwei Monate vor der Wahl unentschlossen sind.“
— Zev Yaroslavsky, Direktor der Los Angeles Initiative an der UCLA Luskin
Die Bürgermeisterwahl in Los Angeles ist zwar parteiunabhängig, doch historisch gesehen gewinnt stets ein Kandidat der Demokratischen Partei. Pratt und Raman traten erst spät in den Wahlkampf ein, weshalb ihre Spendeneinnahmen noch hinter denen der amtierenden Bürgermeisterin liegen. Bass verzeichnete zudem einen Rückgang ihrer Spenden nach den Bränden in Palisades und Eaton im Januar 2025.
Die Spender von Pratt stammen aus der Unterhaltungsbranche, darunter Produzent Charles Pacheco (LBI Entertainment), Doug Reinhardt (Ex-Partner von Lauren Conrad aus „The Hills“) sowie Jeff Jenkins, Produzent von „Keeping Up With the Kardashians“ und „The Secret Lives of Mormon Wives“. Raman erhielt Unterstützung von Hollywood-Größen wie den Regisseuren Ed Zwick und Nick Stoller, den Schauspielern Adam Scott und Colin Jost sowie den Autoren Veena Sud, Megan Amram und Tim Disney. Auch der ehemalige Netflix-Manager Tendo Nagenda und Tom Strickler, Gründer von Endeavor, sowie Dan Shear, aktuell TV-Chef bei Lord Miller, spendeten an ihre Kampagne.
Huang erhielt finanzielle Unterstützung von progressiven Persönlichkeiten wie dem Anwalt Erin Darling und der Kleinunternehmerin Jillian Burgos, die beide selbst bei früheren Wahlen kandidierten.
Experten gehen davon aus, dass die Wahl voraussichtlich in einer Stichwahl im November entschieden wird. „Vieles kann sich bis dahin noch ändern“, so Yaroslavsky. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Bass ihre Führung halten oder ob ein Überraschungskandidat die Gunst der Wähler gewinnt.